bearbeitet: 16.08.2012     
überarbeitet und ergänzt: 12.09.2012     
ergänzt: 20.10.2015     

Die Urknallhypothese, eine Sackgasse der kosmologischen Forschung

Die meisten Wissenschaftler, die sich mit Kosmologie befassen, haben unter anderem Physik studiert. Sie kennen deshalb die grundsätzlichen Naturgesetze, auf denen alle Naturwissenschaft fußt, die durch Hunderte anerkannte Wissenschaftler vieler Epochen mit einer Vielzahl an Experimenten mit höchster Zuverlässigkeit bewiesen sind. Sie haben zu diesen Gesetzen im Verlaufe ihres Studiums Klausuren geschrieben und Examen bestanden. Kein Wissenschaftler hat an diesen Naturgesetzen Zweifel, sie sind allgemein anerkannt, weil sie nachgewiesen und nicht widerlegbar sind. Einige Kosmologen aber bezweifeln die Richtigkeit dieser Gesetze, wenn es um das Universum geht. Sie behaupten sogar, daß es die Naturgesetze insgesamt einst nicht gegeben habe, sie seien mit dem Urknall entstanden. Manche gehen sogar so weit zu vermuten, daß in einem "anderen" Universum, was immer das sein möge, ganz andere Naturgesetze gälten. Dies ist logisch so ungewöhnlich abwegig, daß man meinen könnte, sie hätten ihr Studium verfehlt und wären bei der Erörterung der Kernprobleme nicht anwesend gewesen, denn sie bewegen sich außerhalb aller vernunftgetragenen Denkstrukturen. Emanuel Kant würde sich ob solcher Logik verzweifelt im Grabe abwenden. Die Folge davon ist ein Irrglaube an eine "Erschaffung" der Naturgesetze durch ein überkosmisches, außerhalb des Universums stehendes Bewußtsein zu einer vorbestimmten Zeit, einer Art Uranfang, vor dem es nichts gegeben habe. Ja, die Zeit selbst wird zusammen mit dem Raum einem Akt der Schöpfung unterworfen, mit dem die Idee fabriziert wird, es habe die Raumzeit einst nicht gegeben, mit dem Urknall sei sie hervorgebracht worden. Zur Stützung und Aufrechterhaltung solcher logikferner Vorstellungen werden immer neue mystische Verklärungen der Zusammenhänge hervorgezaubert, die mit keiner wissenschaftlichen Methode vereinbar sind. Einige davon sollen hernach genannt werden.

  1. Die Nukleosynthese
    Die Nukleosynthese, mit der man versucht, die Zusammensetzung der kosmischen Materie zu erklären, geht von einem Urknall als einem unumstößlichen Axiom aus und setzt auf diese Voraussetzung Berechnungen auf, mit denen die Entstehung der Teilchen und später der Atome erklärt werden soll. Spekulativ zurechtgebogen auf die Annahme des Urknalls wird eine Materieentwicklung postuliert, die so nicht stattgefunden haben kann. Schließlich und endlich soll sie hernach als Beweis für die Urknallhypothese angesehen werden. Dies ist ein logischer Purzelbaum. Die Theorie fällt schon unter Verwendung einfacher mathematischer Erwägungen in sich zusammen. Die Nukleosynthese ist eine sinnwidrige mathematische Exzentrik, mit der eine ganze Reihe unhaltbarer Annahmen mit sich selbst bewiesen werden sollen, heißt, der Urknall wird vorausgesetzt und mit dieser Voraussetzung wird er dann "bewiesen". Bereits ein Gymnasialschüler gelangt bei solchem Vorgehen unweigerlich zu Zweifeln.


  2. Die "dunkle Energie"
    Dunkle Energie ist eine ganz ähnliche metaphysische Phantasterei, mit der die Kraft erklärt werden soll, die das Universum zur Expansion veranlaßt. Sie soll, anders ausgedrückt, die Gegenkraft zur Gravitation beschreiben, die vorhanden sein muß, um dem Universum eine längerbefristete Existenz zugestehen zu können. Schließlich müßte ja ohne eine solche Gegenwirkung das Universum wegen der Gravitation in sich zusammenfallen. Diese Gegenwirkung könnte jedoch problemlos und ohne mystische Verklärungen verständlich werden, wenn man von einer allgemeinen Rotation des Universums ausginge, in deren Ergebnis Zentrifugalkräfte entstehen. Das aber wird gar nicht erst in Betracht gezogen, weil ja im Falle eines Urknalls Rotationen im Universum nicht vorhanden sein könnten. Dem widersprechen aber sämtliche astronomischen Beobachtungen, nach denen im Kosmos noch kein einziges Objekt entdeckt worden ist, das nicht rotiert. Diese Rotationen können nur durch allgemeine Rotationen im Universum hervorgerufen werden, die Corioliskräfte erzeugen, welche die Rotationen der Objekte auslösen. Durch diese allgemeine Rotation entsteht eine allgemeine Zentrifugation im gesamten Universum. Das ist die Gegenkraft zur Gravitation, die man in der spekulativ herbeigeredeten "dunklen Energie" zu finden glaubt.

    Zudem wird "dunkle Energie" auch dadurch zur unhaltbaren Fiktion, weil sie als Pendant zur "dunklen Materie" dargestellt wird, von der man ebenfalls nicht weiß, was es sein soll. Man spricht von dunkler Energie einerseits und dunkler Materie andererseits. Prinzipiell wird dadurch erklärt, daß Energie nicht zur Materie gehöre. Aber wenn sie nicht Materie ist, was ist sie dann? Das ist ein Fehler, auf dem viele andere Ungereimtheiten aufbauen. Dazu ausführlicher weiter unten.


  3. Die Expansion
    Ebenso unglaubwürdig ist die These, das gesamte Universum expandiere beschleunigt. Hierin ist bereits die Annahme, eine beobachtete Bewegung bezöge sich auf das gesamte Universum, ein logischer Trugschluß. Mit der Auffassung, wir könnten eine Aussage über das gesamte Universum treffen, würde eine kosmische Grenze im Endlichen festgesetzt. Das Universum aber ist räumlich und zeitlich unendlich, über das "ganze" Universum zu sprechen, ist deshalb gar nicht möglich. Man könnte dies mit der Frage verdeutlichen: "Wie lang ist eine Gerade?" Die Vorgabe, man habe eine Antwort auf diese Frage, ist sinnwidrig. Das "ganze" Universum können wir nicht beobachten, weil ein solcher Begriff nicht definierbar ist. Eine Expansionsannahme, sollte sie denn richtig sein, kann deshalb nur einen regionalen, das heißt, endlichen Bezug haben. In unendlich vielen anderen Regionen des Universums bestehen andere Bewegungsabläufe.

    Die Behauptung von der Expansion des Universums wird häufig Edwin Hubble unterstellt, der im Jahre 1929 die Rotverschiebung des Lichtspektrums in allen Beobachtungsrichtungen gezeigt hat. Damit aber hat Hubble nicht den Anspruch erhoben, die Expansion des Kosmos zu zeigen. Diese Schlußfolgerung haben andere Forscher hervorgebracht, die behaupten, der Dopplereffekt sei die einzig mögliche Erklärung für die Rotverschiebung. Und daraus schließen sie dann auf die Expansion. Rotverschiebung eines elektromagnetischen Spektrums bedeutet jedoch bei alternativer Betrachtung auch Energieverlust, für den auch ganz andere Erklärungen möglich sind. Schließlich muß man in Betracht ziehen, daß für den dualen Charakter des Lichtes (Welle und Teilchen) beim heutigen Stand der Forschung noch keine vereinheitlichende Erklärung existiert, die ganz sicher vorhanden ist. Kurz gesagt, man weiß noch zu wenig über den Charakter des Lichtes. Einen Ansatz ergibt die Materiedefinition in der Brockhaus-Enzyklopädie (s. u.).


  4. Die Extrapolation
    Völlig abwegig und ungewöhnlich naiv ist die Annahme, man könne aus der Zeitdauer, die der Mensch für die Beobachtung des Kosmos bisher zur Verfügung hatte, den Schluß ableiten, daß die vorgefundenen Bewegungsparameter immer gültig gewesen seien, um danach mit einem so grotesken Paradigma gnadenlos eine lineare Extrapolation bis hin zu einem Nullpunkt auszuführen. Solche extravaganten Exzesse gibt es nur in der Kosmologie. Niemand sonst käme auf die Idee, die Frage zu stellen, wie man zurückrechnen könne, wann ein im Dampf aufgehender Hefekloß in einem Punkt vereinigt war. Nun ernsthaft. Die Zeitspanne der Beobachtung des Universums durch den Menschen, es geht dabei um einige hundert Jahre, ist verglichen mit den kosmischen Abläufen, bei denen es um Milliarden Jahre geht, und die insgesamt von unendlicher Dauer sind, vernachlässigbar klein. So klein, daß eine Verallgemeinerung der vorgefundenen Bewegungen auf alle kosmischen Abläufe völlig außerhalb einer realistischen Beurteilung ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist praktisch Null.


  5. Das Ignorieren von urknallkonträren Bewegungen
    Es gibt mehrere astronomische Beobachtungen, die dem Expansionsgedanken und damit der Urknallhypothese direkt widersprechen. Als Beispiel sei nur die 2,5 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernte Andromeda-Galaxie genannt, die eine Radialgeschwindigkeit von -114 km/s hat, sich uns also nähert, was ja bei einer Expansion des Universums nicht sein kann. Dies allein schon ist ein unabwendbarer Grund, die Urknallhypothese zu verwerfen, aber es gibt noch mehr Entdeckungen für die gegenseitige Annäherung großer, sehr massereicher Sternensysteme. So wurde jenseits des Sternbilds der Jungfrau ein gewaltiger Sternhaufen entdeckt, dem sich andere Galaxien, darunter auch die Milchstraße, mit einer Geschwindigkeit von 444 km/s nähern. Der Durchmesser dieser Supergalaxie beträgt nach NASA-Angaben rund zwei Milliarden Lichtjahre. Solche Bewegungen bleiben in der Kosmologie unkommentiert.


  6. Die "Außengrenze" des Universums
    Noch eine weitere Überlegung zeigt die Absurdität des Urknallgedankens. Wäre er wahr, dann gäbe es einen zeitlich festgelegten Anfang für die Expansion (13,7 Milliarden Jahre werden postuliert). Da die Expansionsgeschwindigkeit endlich ist, müßte also eine Außengrenze des Universums bestehen, hinter der sich keine Materie befinden kann. Das jedoch ist logisch nicht haltbar, denn der Raum müßte in diesem Falle einen "Mittelpunkt" haben, von dem der Urknall ausgegangen sein soll. Dies widerspräche im Grundsatz der Relativität von Raum und Zeit, die kein bevorzugtes Koordinatensystem zuläßt, und würde die Abhängigkeit der Raumzeit vom Inertialsystem in Frage stellen. Auch gibt es keinerlei Beobachtungsergebnisse über einen "leeren" Raum hinter einer solchen fiktiven Außengrenze.


  7. Die Urknallsingularität
    Ein anderer Aspekt, der hier beachtenswert erscheint, ist die Annahme einer sogenannten Urknallsingularität. Sie simuliert theoretisch einen heißen, unendlich dichten Ausgangszustand für das Universum. Eine solche Singularität kann jedoch nur unter der Prämisse der Nichtexistenz der Naturgesetze gedeutet werden. Aber die Leugnung der Existenz der Naturgesetze ist, wie schon im ersten Abschnitt erklärt, wissenschaftlich gesehen eine Farce. Unter Anerkennung der bewiesenen Naturgesetze jedoch hätte diese Singularität neben einer unendlichen Energiedichte wegen der Masse-Energie-Äquivalenz auch eine unendliche Massendichte. Damit wäre sie das größte logisch denkbare Schwarze Loch, das auf Grund seiner unendlichen Gravitation nicht hätte expandieren können.


  8. Die Hintergrundstrahlung
    Aus der Nukleosynthese (siehe 1.) werden unter anderem auch Rückschlüsse über Strahlungsvorgänge abgeleitet, die im Zusammenhang mit strukturellen Teilchenveränderungen entstehen. Diese Strahlung wird in der Kosmologie mit der Bezeichnung Hintergrundstrahlung geführt. Es wird behauptet, sie könne nur in einer sogenannten "Frühphase" der kosmischen Entwicklung entstanden sein.

    Diese sogenannte Hintergrundstrahlung, die von George Gamow (1904-1968) vorhergesagt und 1965 von Arno Penzias (geb. 1933 in München) und Robert Wilson (1927-2002) mit einem Radioteleskop gefunden wurde, ist jedoch nicht als Relikt, als Überbleibsel aus einer "Entstehung" des Universums zu sehen, vielmehr ist sie ein ständiger, die Bewegung der Materie begleitender Prozeß. Die Bewegung von Masse und Energie ist ewig, beide unterliegen immerwährender Veränderung. Die Bewegung wird durch die der Materie innewohnenden Kräfte aufrechterhalten. Diese ständige Wechselbeziehung zwischen Masse und Energie beinhaltet die fortwährende Entstehung und Aufhebung von Strukturen der Materie, also der Elementarteilchen, der Atomkerne, der Atome und schließlich der Moleküle sowie auch komplexer Strukturen, das heißt, das immerwährende Aufbauen und Zerstören der Daseinsformen der Materie, das begleitet wird von Energiestrahlungsvorgängen im gesamten Universum in allen Richtungen. Die als Hintergrundstrahlung bezeichnete allgegenwärtige kosmische Strahlung verdeutlicht, daß die Bewegung der Materie sowohl die Ortsveränderung der Objekte in der Raumzeit, als auch die Strukturveränderung der Materie durch die Wechselwirkung zwischen Masse und Energie beinhalten muß. Masse, Energie und Strahlung sind Materie, ihre Bewegung ist die ewige Evolution.


  9. Der Übervater
    Nach diesen analytischen Ergebnissen bleibt keine andere Wahl, als zum Übervater der gegenwärtigen Kosmologie, dem Astrophysiker Georges Edouard Lemaitre (1894 - 1966), eine deutlich kritischere Haltung einzunehmen. Seine Lehre fußt nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf dem Glauben. Dies ist mir weitgehend verständlich, denn er war ein Abbé, der an die Schöpfung als unumstößliches Axiom glaubte. Sein erklärtes Ziel war es von Jugend an, die kosmologische Wissenschaft mit der katholischen Schöpfungslehre in Übereinstimmung zu bringen, nach der ein Gott die Welt und schließlich den Menschen erschaffen hat. Naturgesetze und wissenschaftliche Tatsachen gehen in diesem Bestreben weitgehend unter. Alle Theorie ordnet sich in die göttliche Schöpfung ein und dient ihr ohne Widerspruch. Beleuchtet man aber solche Wissenschaften wie Anthropologie, Ethnologie, Geologie und einige andere, zum Teil auch die Religionswissenschaften, kann man ohne große Anstrengung erkennen, nicht Gott hat den Menschen erschaffen, sondern die Evolution des Menschen hat Gott geschaffen. Die sich entwickelnde Intelligenz hat zunehmend Fragen über die Zusammenhänge der Welt gestellt. Dabei wurde ganz natürlicherweise zur Herbeiführung praktisch verwendbarer Antworten Unerklärbares und zeitbedingt nicht Verständliches mit Hilfe überirdischer Kräfte zu erklären bersucht, in denen man die alles lenkenden Wesen in der Natur sah. Mit voranschreitender Intelligenzentwicklung kam und kommt es aber ständig zum Hinterfragen religiöser Auffassungen und bei wissenschaftlicher Klärung auch zu deren Korrekturen. Das ist ein normaler Ablauf. Täte man dies nicht, könnte man auch den Weihnachtsmann als real existierende Person ansehen, die am 24. Dezember zwischen 16 und 19 Uhr weltweit 1 Milliarde Kinder beschenkt. Dabei blieben für jedes Kind samt Anreise 11 Mikrosekunden; wöge jedes Geschenk 1 kg, führte er 1 Million Tonnen Fracht mit. Man könnte dann auch glauben machen, Adam und Eva seien die ersten von Gott geschaffenen Menschen gewesen und hätten sich bis heute auf über 7 Milliarden vermehrt. Adam und Eva wären dann also meine Urn-Großeltern. Unter Annahme einer mittleren Generationendauer von 25 Jahren wäre der Exponent n = 80-1. Nun wieder ernsthaft. Der moderne Mensch fühlt, daß solches Herangehen nicht mehr brauchbar ist. Umso erstaunlicher ist es, daß in der gegenwärtigen Kosmologie solches Hinterfragen ausbleibt. Mit einer tiefen Verbeugung vor der klerikalen Doktrin hören die Wissenschaftler auf, selbständig zu denken und zu forschen. Das behindert nicht nur die Kosmologie, sondern das Vorankommen der Wissenschaft im allgemeinen Sinne. Noch erstaunlicher ist jedoch die Tendenz der heutigen Kosmologie, für das Festhalten an der Urknallhypothese gar keine Götter mehr in Anspruch zu nehmen. Die Fehlauffassung hat sich in einer Weise zementiert, daß auch Wissenschaftler, die nicht an ein außerhalb des Universums stehendes Bewußtsein glauben, ihre axiomatische Haltung zur Urknallhypothese nicht mehr aufgeben können. Logisch hat dieses Phänomen keine Erklärung. Hier zeigt sich recht deutlich die hierarchische Steuerung eines ganzen Wissenschaftsbereiches, dessen Mitwirkende mit administrativen Mitteln vom eigenständigen Forschen und Denken ferngehalten werden.

Seit dem völligen Verlust der wissenschaftlichen Selbständigkeit der Universitäten und Hochschulen und ihrer totalen Überwachung durch staatliche Einrichtungen zunehmend seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist auf breiter Front die Qualität der Forschung stark abgesunken. Universitäten und Hochschulen müssen sich künstlich inszenierten Wettbewerben unterwerfen, in denen sie mit einer Vielzahl zum Teil widersinniger sogenannter Qualitätsindikatoren einer umfassenden vergleichenden Bewertung (Ranking) unterzogen werden, mit deren Ergebnissen dann die Forschungsmittel gewichtet verteilt werden. Das Interesse der Universitäten und Hochschulen hat sich dadurch von den Forschungsaufgaben weg auf das Erlangen von Selbstdarstellungsparametern in diesen Pseudowettbewerben verlagert. Mathias Binswanger zitiert in seinem Buch Unsinnige Wettbewerbe - warum wir immer mehr Unsinn produzieren Thorpe aus dem Jahre 2003: "Verbunden mit der Markt- und Wettbewerbseuphorie war auch ein tiefes Misstrauen gegenüber der unabhängigen, "im Elfenbeinturm" stattfindenden universitären Grundlagenforschung, von der Politiker oft nicht so recht wissen, was sie eigentlich soll. Was bringt schon die Suche nach Erkenntnis außer hohen Kosten? Der frühere britische Erziehungsminister Charles Clarke bezeichnete deshalb die "mittelalterliche Suche nach Wahrheit" als überholt und überflüssig". Hierzu später ausführlicher. Zunächst aber einige wissenschaftliche Klarstellungen zu den oben beschriebenen Fehlhaltungen.

Zu den grundsätzlichen, nicht widerlegbaren Naturgesetzen gehören unter anderen der Energieerhaltungssatz und die Masse-Energie-Äquivalenz. Das Bestreiten dieser Naturgesetze führt zweifelsfrei in wissenschaftsferne Spekulationen, deren sich heute fast die gesamte Kosmologie bedient. Auf breiter Front wird eine ungezügelte Mystik um die kosmischen Vorgänge konstruiert, die dem einzigen Ziel dient, etwas zu erhalten, was bei vernünftiger Denkweise nicht aufrechtzuerhalten ist: Die Urknalltheorie. Immer unwirklichere Gedankengebilde werden offeriert, immer nebulöser werden die Versuche der Erklärung. Die Öffentlichkeit soll diese Darstellungen glauben, weil die Experten es sagen. Die Beweggründe der Experten, immer neue Unwirklichkeiten zu verbreiten, bleiben dabei unaufgeklärt.

Schauen wir zunächst auf den Energieerhaltungssatz: In einem System kann Energie weder entstehen noch verschwinden, sie kann nur ihre Erscheinungsform verändern. (Eges = Epot + Ekin = m*g*h + 1/2*m*v2). Die Gesamtenergie in einem System bleibt konstant, wenn nicht von außen Energie zugeführt oder Energie nach außen abgegeben wird. Energie ist eine Erhaltungsgröße. Das Universum ist ein solches System, jedoch mit einer Besonderheit: Es gibt außerhalb des Universums kein anderes System. Somit ist die Gesamtenergie im Universum konstant, sofern man die aberwitzig überspannten Vorstellungen einiger Kosmosdilettanten über viele parallele Universen unberücksichtigt läßt. Schauen wir nun auf diese Konstanz im Zusammenhang mit der Masse-Energie-Äquivalenz. E = m*c2 bedeutet, daß Masse und Energie zwei äquivalente Formen der Materie sind, die stets zusammen vorhanden sind und in einem konstanten Verhältnis stehen. Ist die Masse Null, so ist auch die Energie Null und umgekehrt (0 = 0*c2 oder auch aus dem Energieerhaltungssatz oben: 0*g*h + 1/2*0*v2 = 0), schreibt man E/m = c2, so wird deutlich, daß das Verhältnis von Energie zu Masse konstant ist. Logische Folge: Auch Masse kann in einem System weder entstehen noch verschwinden. Außerdem wird deutlich, daß man Masse nicht in Energie "umwandeln" kann, und umgekehrt kann aus Energie keine Masse "erzeugt" werden. Dies würde nämlich bedeuten, daß Masse in dem Maße verschwände, wie Energie entstünde und wenn Energie verschwände, würde daraus Masse. Dies führte mathematisch ausgedrückt dazu, daß E + m = const ist. Das aber ist offenkundig falsch. Das heißt letztendlich, Masse und Energie - und beides zusammen ist die Materie - können nicht "entstanden" sein, und schon gar nicht aus Nichts. Materie existiert ewig, ohne einen Anfang gehabt zu haben und ohne je ein Ende zu haben. Da die Materie in der Raumzeit existiert, ist damit gleichzeitig gezeigt, daß auch die Raumzeit ewig existiert und nicht zu einem Zeitpunkt, der als Null angenommen wird, erschaffen worden ist. Zeit ist kein Vektor.

Die Auffassungen einiger Kosmologen verlassen diese Logik, in dem sie die widersinnige Behauptung aufstellen, die Energie gehöre nicht zur Materie. Folgt man ihnen, so wird die Energie aus der Materie herausgelöst und ihr entgegen- oder gegenübergestellt. Dieser Grundirrtum ermöglicht erst die Fiktion, Masse in Energie "umwandeln" zu können und umgekehrt - mit allen pseudowissenschaftlichen Folgen, die diese Fehlhaltung nach sich zieht. Zur besseren Orientierung muß man lediglich die Experimente verfolgen, die in den letzten Jahren im CERN bearbeitet werden, insbesondere das ATLAS-Projekt. Das mit großer Wahrscheinlichkeit im Juni 2012 gefundene Higgs-Boson mit einer Masse von 125 GeV/c2 ist ein enorm großer Schritt zur Erklärung des Wesens der Materie.

Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Materie_(Physik) findet man in der freien Enzyklopädie Wikipedia die folgende völlig falsche Materiedefinition:

"Materie (von lat. materia = Stoff) ist eine Sammelbezeichnung für alle Beobachtungsgegenstände der Naturwissenschaften, die Masse besitzen. Raumbereiche, die keine Materie enthalten, bezeichnet man als Vakuum. Elektromagnetische Wellen wie zum Beispiel Licht werden nicht zur Materie gezählt."
Eine Erklärung hierzu.

Diese Fehlauffassung hat sich schleichend in den letzten 20 Jahren etabliert. Bis zum Anfang der 90er Jahre waren noch zutreffendere Aussagen veröffentlicht worden.

Die in der Brockhaus-Enzyklopädie in 24 Bänden aus dem Jahre 1991, Band 14, S. 326/327, gegebene wesentlich klarere Definition der Materie lautet hingegen:

"…Die eigentlichen Träger der Materie (die Teilchen) sind dynamische Zentren, die nur einen verschwindend geringen Raum einnehmen. Sie sind nach der gängigen Elementarteilchentheorie als quasipunktförmige "Teilchen" (Quarks und Leptonen), nach der alternativen Stringtheorie als Zustandsformen der Schwingungen einer eindimensionalen "Saite" ("String") vorstellbar. Der räumliche Hauptanteil der makrophysikalisch repräsentierten Materie ist leer im Sinne einer naiven Anschauung, jedoch erfüllt von intensiven Kraftwirkungen, die man sich als äußerst rasch fluktuierend ausgetauschte Teilchen (virtuelle Teilchen) vorstellen kann (Wechselwirkung). Sie bilden das Feld, das die eigentlichen Materieträger umgibt und als dessen Erzeugnis man umgekehrt auch diese eigentliche Materie zu verstehen bemüht ist, da seit Entdeckung des Dualismus (Welle-Teilchen-Dualismus) eine scharfe Trennung zwischen den Begriffen Teilchen und Feld nicht möglich ist. Vielmehr können Teilchen mit Ruhemasse in solche ohne Ruhemasse umgewandelt werden und umgekehrt (Paarbildung). Beide können als zwei verschiedene Erscheinungsformen von Energie aufgefaßt werden (Masse-Energie-Äquivalenz). Eine der Grundeigenschaften der Materie, oft fälschlich mit ihr gleichgesetzt, ist die Masse. Masse und Energie sind nur verschiedene Aspekte einer Wirklichkeit."

Diese Definition ist nicht unumstößlich, kommt jedoch den auf modernen Forschungsergebnissen basierenden Vorstellungen wesentlich näher als die obige.

Basierend auf diesen Erklärungen entsteht ein im Wesentlichen plausibles Bild der kosmischen Bewegungsabläufe. Bildlich ausgedrückt bewegt sich die Materie im Universum ähnlich einem Wolkengebilde, in dem sich alles sowohl in umfassender, allgemeiner Rotation als auch in longitudinaler Bewegung befindet, in der es kein definierbares Rotationszentrum gibt, sondern großräumige Rotationsbereiche, die einander durchdringen, sich ständig verändern und neu formen. Die gesamte Bewegung trägt chaotischen Charakter, dessen Triebkräfte ihren Ursprung in den Inhomogenitäten der Materie hinsichtlich Verteilung und Struktur haben. Diese Bewegung ist ewig, hatte keinen Anfang und wird kein Ende haben.

Unter der Annahme der allgemeinen Rotation ist nicht auszuschließen, daß sich das Universum in unserer weiträumigen Umgebung gegenwärtig in einer Expansionsphase befindet, die sich nach einer unbestimmten, endlichen Zeit in eine Kontraktionsphase umkehren kann. Das ist eine Art Schwingung (Oszillation), die sich überall im Universum vollzieht, und die ihren Antrieb im der Kräftedynamik der allumfassenden Gravitation mit der allgemeinen Zentrifugation und deren Wirkungen auf die träge Masse hat. In dieser Darstellungsweise ist die kosmische Materiebewegung kein Gesamtprozeß, sie läuft vielmehr regional in Teilen des Universums ab, Bewegungsbereiche trennen oder vereinigen sich, vergrößern oder verkleinern sich, beeinflussen sich gegenseitig. So wird die zuweilen geäußerte Ansicht der Existenz mehrerer "paralleler Universen" einleuchtender erklärbar und vermeidet den irritierenden Begriff, dem man nicht zu folgen vermag.

Mit dem beschriebenen Verständnis des Universums werden alle oben beschriebenen Unverständlichkeiten und Unzulänglichkeiten der Urknalltheorie aufgehoben, die Kosmologie wird von allerlei mystischen Verklärungen freigemacht, die keiner wissenschaftlichen Methode folgen und überwiegend völlig unverständlich sind. Das Festhalten an der Urknalltheorie ähnlich einer Doktrin wirkt wie eine Eisenklammer, die allumfassend die Forschung einzwängt und ihr Vorankommen behindert. Mögen die vielen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse der neueren Zeit doch endlich die kosmologische Wissenschaft aus der Sackgasse herausführen, in die sie durch die bornierte Haltung einiger weniger geraten ist. Es wäre inständig zu wünschen, daß dieser Vorgang nicht wieder 300 Jahre in Anspruch nimmt, wie es bei der Ablegung des geozentrischen Weltbildes zugunsten der Durchsetzung des von Kopernikus und Galilei begründeten heliozentrischen gewesen ist. Rund 60 Jahre davon sind bereits vergangen.


Wie die gesellschaftlichen Verhältnisse den wissenschaftlichen Fortschritt behindern

Leider aber sind die Chancen, in der gegenwärtigen Zeit in der Sache voranzukommen, sehr gering. Die Ablösung falscher, überholter Auffassungen durch solche, die der Wahrheit deutlich näher kommen, ist, wie die Arbeitspraktiken in den heutigen wissenschaftlichen Einrichtungen zeigen, nur wenig abhängig von den wissenschaftlichen Inhalten konkurrierender Auffassungen, sondern wird hauptsächlich, wie oben schon ausgeführt, von den hierarchischen Beziehungen in den Strukturen des betreffenden Wissenschaftszweiges diktiert. Leistungen werden nicht gemessen an ihrem wissenschaftlichen Wert, sondern vornehmlich an der Anzahl von Veröffentlichungen durch die etablierten Wissenschaftler und an der Anzahl der Zitate aus Publikationen dieser Vertreter in anderen Veröffentlichungen. Besonders schädlich wirkt sich dabei aus, daß nach solchen irreführenden Indikatoren die staatlich verfügten Forschungsmittel verteilt werden, die auf diese Weise neue wissenschaftliche Erkenntnisse von der Bereitstellung finanzieller Mittel ausschließen. Die Objektivität von Veröffentlichungen geht damit verloren. Prof. Dr. Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Solothurn, Schweiz, beschreibt in seinem Buch Sinnlose Wettbewerbe - warum wir immer mehr Unsinn produzieren diese Situation wie folgt:

"In der modernen Universität geht es also nur noch am Rande um Erkenntnis, auch wenn bei Sonntagsreden immer noch so getan wird, als ob dieses Ziel weiterhin im Vordergrund stünde. Moderne Universitäten sind einerseits Fundraising-Institutionen, (fundraising, engl. = Finanzmittelbeschaffung, Pohl) die es darauf anlegen, möglichst viele Forschungsgelder für sich abzuzweigen. Und andererseits sind sie Publikationsfabriken, die versuchen, ihren Publikationsoutput zu maximieren. Demzufolge ist der ideale Professor eine Mischung aus Fundraiser, Projektmanager und Vielpublizierer, bei dem nicht die Suche nach Erkenntnis, sondern der messbare Beitrag zur wissenschaftlichen Exzellenz im Vordergrund steht. Und damit die Professoren ihren Beitrag zur Exzellenz auch brav leisten, gibt es zusätzlich zu den traditionellen Dekanen an jeder Abteilung neuerdings auch Fakultätsmanager, und der Rektor bzw. Präsident ist heute eine Art CEO, (Chief Executive Officer, engl. = Leitender Direktor eines Unternehmens - Pohl) der von oben herab neue Strategien zur Erreichung von noch mehr Exzellenz diktiert. Forschung wird zum Mittel im Kampf um "Marktanteile" von Universitäten und Forschungsinstituten (Münch 2009 a, S. 148-164)."

Und weiter:

"Es sind vor allem zwei künstlich inszenierte Wettbewerbe, nämlich der Wettbewerb um möglichst viele Publikationen und der Wettbewerb um möglichst viele Forschungsgelder über sogenannte Drittmittelprojekte, die zur Produktion von Unsinn animieren. Beide Indikatoren (Publikationen, Drittmittel), um welche die künstlichen Wettbewerbe veranstaltet werden, spielen bei heutigen Forschungsrankings eine zentrale Rolle."

"Grundlagenforschung manifestiert sich hingegen stets in Publikationen. Was ist also naheliegender, als den Output bzw. die Produktivität eines Wissenschaftlers oder eines Instituts anhand der Zahl der Publikationen zu messen? Denn ist es nicht so, dass viele Publikationen das Resultat von viel Forschung sind, die unser relevantes Wissen erhöhen?"

Man muß kein Experte sein, um zu erkennen, daß dies ganz und gar nicht so ist. Binswanger sagt:

"Publikationen bewirken zwar eine Zunahme von beschriebenen Seiten, aber deren Zahl sagt nichts aus über die Bedeutung der Forschungsleistungen eines Wissenschaftlers oder einer Institution, genauso wenig wie die Zahl der gespielten Töne etwas über die Qualität eines Musikstücks aussagt."

Welche Chancen hat man nun zur Veröffentlichung einer Theorie, die einer seit vielen Jahren bestehenden widerspricht? Binswanger hat dazu folgendes recherchiert:

"Relevant sind Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, bei denen die eingereichten Arbeiten einem "strengen" und "objektiven" Auswahlverfahren unterzogen werden, dem sogenannten "Peer-Review-Verfahren". Dieses soll sicherstellen, daß nur "qualitativ hochstehende" Arbeiten publiziert werden, die dann als "echte wissenschaftliche Publikationen" gelten. Bei dem unter Wissenschaftlern künstlich inszenierten Wettbewerb geht es genau gesprochen also darum, möglichst viele Artikel in akzeptierten wissenschaftlichen Zeitschriften zu veröffentlichen." ... "Allerdings existieren auch unter den wissenschaftlichen Zeitschriften nochmals strikte Hierarchien, welche die durchschnittliche "Qualität" der angenommenen Artikel widerspiegeln sollen. Fast in jeder Wissenschaftsdisziplin gibt es einige wenige, mit Ehrfurcht betrachtete Top-Zeitschriften (A-Journals) und dann verschiedene Gruppen, von nicht mehr ganz so hochstehenden Zeitschriften (B-,oder C-Journals), bei denen man leichter einen Artikel unterbringt." ... "Was versteht man nun aber konkret unter Peer-Review-Verfahren? Wenn ein Wissenschaftler einen Artikel in einer wissenschaftlich anerkannten Zeitschrift veröffentlichen will, dann muss er ihn zuerst bei dem oder den Editors des Journals einreichen, bei denen es sich meist um bereits arrivierte Champions ihrer Disziplin handelt. Diese Editors haben allerdings in vielen Fällen keine Zeit, sich um das Tagesgeschäft "ihrer Zeitschrift" zu kümmern, und deshalb gibt es noch einen weniger arrivierten und für den administrativen Ablauf zuständigen Managing Editor, der die Manuskripte von publikationsfreudigen Wissenschaftlern entgegennimmt und damit das Peer-Review-Verfahren in Gang setzt. Er gibt die eingereichten Manuskripte einem oder mehreren Professoren oder anderen anerkannten Wissenschaftlern (den sogenannten Peers) zur Begutachtung, die im Idealfall selbst auf dem gleichen Gebiet wie der Verfasser des Artikels arbeiten und deshalb in der Lage sein sollten, dessen Qualität zu beurteilen." ... "Als krönenden Abschluss des Verfahrens teilen die Gutachter dem Editor dann schriftlich mit, ob sie auf Annahme (sehr selten), Überarbeitung oder Ablehnung des Artikels (am häufigsten) für die entsprechende Zeitschrift plädieren. Nicht wenige Top-Journals brüsten sich sogar mit ihren hohen Abweisungsraten, die angeblich die hohe Qualität dieser Journals widerspiegeln (Fröhlich 2007, S. 338). Bei solchen Zeitschriften sind die Abweisungsraten in der Größenordnung von 95 Prozent."

Es ist folglich nicht zu erwarten, daß man mit einer Gegentheorie zu einer bestehenden Theorie, der im Wesentlichen alle Gutachter folgen, eine Veröffentlichungsmöglichkeit erhält. Viel eher wird eine solche Arbeit als Verschwörung eingeordnet, die ohne tieferes Nachdenken, vielleicht sogar ohne die Arbeit zu lesen, abgelehnt wird. So wird die mögliche Aufklärung eines wissenschaftlichen Irrtums auf administrativem Wege ausgeschlossen. Eine Veröffentlichung gelänge nur, wenn der Antragsteller den Gutachtern zum Munde redet und so seine Aufmerksamkeit erhält. Das ist natürlich im Falle des Widerspruchs gegen eine allgemein vertretene Theorie unmöglich. Binswanger sieht das so:

"Da inhaltlicher Fortschritt in den etablierten Zeitschriften aus den bereits genannten Gründen kaum stattfindet, hat sich die Innovation auf die Form verlagert. Banale Ideen werden zu hochkomplexen formalen Modellen aufgeblasen, welche das technische oder mathematische Know-how der Autoren demonstrieren und Wichtigkeit vortäuschen sollen. In vielen Fällen sind die Gutachter dann gar nicht in der Lage, diese Modelle zu beurteilen, denn sie haben weder Lust noch Zeit, sich tagelang damit zu beschäftigen. Da sie das aber nicht zugeben können, wird formale Brillanz im Zweifelsfall positiv bewertet, denn diese trägt meist zur Stützung herrschender Theorien bei. Sie hilft, diese gegen außenstehende Kritik zu immunisieren, so dass alle nicht auf dem gleichen Spezialgebiet tätigen Kollegen einfach glauben müssen, was in einem Modell oder Experiment "bewiesen" wurde." ... "Mit der Formalisierung entfernen sich die Wissenschaften aber auch immer mehr von der Realität, da vorgetäuschte Präzision wichtiger wird als tatsächliche Relevanz." ... "Die Verdrängung von Inhalt durch Form wirkt sich dabei auch auf die Berufungspolitik aus. Der alte Typ des an seinem Fach aus innerem Antrieb interessierten und oftmals eigenwilligen Wissenschaftlers wird zunehmend abgelöst durch formal hochbegabte, stromlinienförmige Musterknaben und -frauen, die aber inhaltlich kaum etwas zu sagen haben." ... "Neue oder originelle Einsichten und wirklich neue Ideen finden sich daher viel eher in Büchern oder Arbeitspapieren, bei denen keine Pseudoqualitätskontrolle originelle Einsichten verhindert."

Insgesamt ergeben sich aus diesem gesamtgesellschaftlichen Unfug, die Qualität der Forschungsarbeit ausschließlich und führungsrelevant mit quantitativen sogenannten Qualitätsindikatoren beurteilen zu wollen, Verdrängungseffekte, die wegen des immer stärkeren Vordringens dieser Tonnenideologie an den Universitäten und Hochschulen von den betroffenen Mitarbeitern schon gar nicht mehr erkannt werden. Binswanger hat diese Verdrängungseffekte in folgender Thesenübersicht zusammengefaßt:

So nimmt es am Ende nicht wunder, daß die in einem Offenen Brief an die Wissenschaftsgemeinschaft vom Mai 2004 erhobene Stimme Hunderter hochanerkannter Wissenschaftler, die erkannt haben, daß die Urknalltheorie auf Grund der gegenwärtig vorhandenen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nicht mehr erhalten werden kann (http://cosmologystatement.org), nicht gehört wird und deshalb keine Veränderung der Auffassungen zu den tatsächlichen kosmischen Vorgängen erfolgen kann. Der Offene Brief wurde in der Urfassung von 33 Wissenschaftlern verfaßt und in der Zeitschrift New Scientist, Ausgabe 22. bis 28. Mai 2004, veröffentlicht und nach seiner Bereitstellung im Netz von mehr als 500 Wissenschaftlern weltweit nachunterzeichnet.

12. September 2012
Dr. Manfred Pohl

Nachtrag am 20.10.2015:
Da die oben genannte Adresse zur Seite des Offenen Briefes an die Wissenschaftsgemeinschaft seit Ende 2014 nicht mehr zur Verfügung steht, gebe ich hier den Verweis auf die von mir angefertigte Übersetzung aus dem Englischen: Offener Brief