bearbeitet: 25.03.2012     

Die Stellungnahme G. O. Müllers zu meiner Projektkritik

GOM hat mir eine Stellungnahme zu meiner Veröffentlichung zugesendet, für die ich G. O. Müller danke. Als sehr positiv stelle ich fest, daß die Antwort keine Unsachlichkeiten enthält, wie man sie im GOM-Projekt in großer Zahl vorfindet. Ebenso sachbezogen werden auch meine Kommentare sein, die ich rot eingefärbt in den Text der Antwort einfüge.

GOM, 20.12.11

Stellungnahme zu der Veröffentlichung im Internet:
Manfred Pohl: G. O. Mueller und die Spezielle Relativitätstheorie
URL: http://home.arcor.de/unipohl/Wissenschaft/GOMProjekt.htm

Wir haben die Kritik von Herrn Dr. Pohl an unserer Dokumentation mit großem Interesse gelesen und danken für die umfangreiche korrekte Darstellung mit vielen Zitierungen. Zu einigen seiner Kritikpunkte an unserem Projekt und der Dokumentation möchten wir aus unserer Sicht folgendes anmerken.

1. Beispiel: MMV
Die Dokumentation berichtet die Meßwerte, wie sie sich in der Literatur finden. Diese Werte sind keine Null-Werte. Was wäre daran zu kritisieren? "Es ist schließlich ohne Belang, ob nun 7 oder 10 km/s gemessen wurden." Warum interessiert sich ein Physiker angeblich für ein Experiment und erklärt dann die Meßwerte für belanglos? Komische Physik. Hierzu empfehle ich, einfach noch einmal nachzulesen. Ich erkläre nicht die Meßwerte für belanglos, sondern den Streit darüber, ob sie nun 7 oder 10 km/s sind, weil sie ja 30 km/s sein müßten, um die Prämisse des Michelson-Morley-Experimentes zu beweisen.

2. Beispiel: Hafele Keating Experiment
Die Dokumentation stellt die Kritiker und ihre Kritik des Experiments vor.
Die Darstellungen der Urheber und ihrer Apologeten kann jeder Interessierte selbst nachlesen.
Die Dokumentation ist keine Einführung in die Theorien, sondern allenfalls eine Herausführung.

3. Beispiel: Exkurs über den Zeitbegriff
Unsere Aussage, daß ein Zeitbegriff nur auf der Grundlage eines Gedächtnisses entwickelt werden kann, soll ein logischer Fehlschluß sein. Worin sollte der logische (!) Fehler liegen?
Herr Dr. Pohl kritisiert unseren Zeitbegriff:
"Der Exkurs beginnt also mit einer falschen Grundthese, denn Zeit ist in Wahrheit der unabhängig von einem Bewußtsein existierende Ablauf aller Vorgänge." Herr Dr. Pohl verwechselt den Gegenstand (den Zeitablauf) und den Begriff davon (Zeitbegriff). Der Gegenstand (Ablauf) ist einer, Begriffe davon kann es mehrere geben. Wenn verschiedene Beurteiler unterschiedliche Zeitbegriffe haben, ist das kein Problem der Physik, die Physik befaßt sich mit den objektiven Abläufen. Die hier und weiter unten beschriebene Unterscheidung zwischen den Abläufen und den Zeitbegriffen des Bewußtseins sind für die Physik gegenstandslos. Herr Albert Einstein z. B. glaubte, die Zeit käme aus den Zeigerstellungen der Uhr: ein magischer Zeitbegriff und damit eine von mehreren Ursachen für den Nonsense der Theorie. Soviel zur Erkenntnistheorie. Nun, GOM ist hier entgangen, daß Einstein mit seinem Aphorismus "Zeit ist das, was man an der Uhr abliest", einen Scherz gemacht hat.
Wir handeln von dem physikalischen Zeitbegriff. Die mit diesem Begriff begriffene Zeit ergibt sich aus der Beobachtung und ist selbstverständlich grundsätzlich unabhängig vom Bewußtsein des Beobachtenden. Das ist die vollständige und einzig notwendige Wahrheit. Der Begriff ist ein Konstrukt des Menschen und ist nicht identisch mit dem Begriffenen, dem "Ablauf". Dieser Unterschied ist zu beachten. Wir vermissen in der Kritik die Unterscheidung zwischen dem Gegenstand und dem Begriff sowie - nachdem unser Zeitbegriff nicht zusagt - einen alternativen = besseren Begriff der Zeit. Solange wir einen besseren nicht kennen, bleiben wir bei unserem. Der einzig akzeptable Zeitbegriff besteht in der Anerkennung der Zeit als objektive, bewußtseinsunabhängige Kategorie. Der Physiker hat keinen Zeitbegriff als ein subjektives Konstrukt des Bewußtseins. Er befaßt sich mit den unabhängig vom Bewußtsein existierenden Zeitabläufen. Das einzige, was der Mensch beigetragen hat, ist die Schaffung einer für die Abläufe festgelegten Maßeinheit, der Sekunde, damit man sich über die Zeit verständigen und sie berechnen kann. Dazu aber gibt es keine unterschiedlichen Begriffe, auf die Sekunde hat man sich weltweit geeinigt.
Dr. Pohl: "Bewegung zu einem Zeitpunkt" ist sinnwidrig." Dazu genügt ein Hinweis: Die Infinitesimalrechnung befaßt sich damit und kommt keineswegs zu Sinnwidrigkeiten. Die Infinitesimalrechnung beschreibt keine Punkte, sondern Grenzwerte, also in unserem Falle die Bewegungsabläufe für differential kleine Zeitabschnitte. Auch unendlich kleine Zeitabschnitte sind keine Zeitpunkte - und Zeitpunkte sind keine Zeitabläufe. Die Infinitesimalrechnung behandelt endliche Zeitabläufe als Zusammenführung aus vielen kleinen, im Grenzwert unendlich vielen unendlich kleinen Zeitabschnitten.
Die Kritik stößt sich an unserer Aussage, daß die Zeit nur eine Verhältniszahl über zwei Bewegungen ist und keine Dimension darstellt. Das ist der von mir herausgearbeitete Fehler. Die Auffassung, Zeit sei eine Verhältniszahl, ist falsch. Sie ist der Grundirrtum der ganzen Darlegung. Jede Verhältniszahl über zwei gleichartige Größen (z. B. Längen, Gewichte oder auch Geldbeträge) bleibt ohne Dimension. Wo sollte eine solche auch herkommen? Welche Dimension sollte eine Verhältniszahl über zwei Geldbeträge auch haben? Ich nehme einmal dieses Beispiel: A verdient doppelt so viel wie B. Das ist die Aussage einer Relation (Verhältniszahl) zwischen beiden. Sie ist dimensionslos. Aber für die Aussage, wieviel sie nun tatsächlich verdienen, zum Beispiel in Euro, ist sie nicht verwendbar. Und welche Dimension sollte eine Verhältniszahl über zwei Bewegungen haben? Auch Physiker können für die Zeitmessungen nicht mehr als reine Verhältniszahlen mitteilen. Das ist die Ausnüchterung. Ob Physiker das ignorieren, ist deren Sache und nicht unser Problem. Das ist unverständlich. GOM offenbart sich doch als Kritiker physikalischer Theorien. Und nun ist es doch nicht ihre Sache? Man kann doch nicht die Vermystifizierung der objektiven Zeit als subjektive Bewußtseinsdarstellung, die nichts physikalisches in sich trägt, in der Physik unterbringen wollen. Damit befassen sich freilich die Physiker nicht.

4. Beispiel: Auswirkungen der Theorie
Die Auswirkungen einer Theorie auf andere Tätigkeitsfelder betrachten wir als zur Theorie gehörig. Wenn ein Chirurg mir aufgrund einer schönen Theorie ein gesundes Bein amputiert, dann ist das eine Folge seiner Theorie. Jeder haftet auch für die Folgen seiner Theorie. Wer nicht will, braucht es nicht als Folge der Theorie zu betrachten. Wir überlassen das den Betroffenen. Wenn das Bein erst mal weg ist, ändert sich auch das Bewußtsein. Man sagt, viele Gleichnisse hinken. Dies hier aber hat in der Tat keine Beine, soll heißen, die Gleichnisdarstellung ist neben der Sache.

5. Beispiel:
Die Dokumentation soll "eine Polemik über den gesunden Menschenverstand" entfacht haben.
Auf so eine verrückte Idee wären wir nie gekommen. Dieser Salto blieb den Relativisten vorbehalten. Sie haben zu diesem Trick gegriffen, weil sie keine anderen Argumente zur Verteidigung ihrer Theorie mehr haben, und wollen den Kritikern deren Verstand madig machen, um die Kritiker ihres kritischen Organs zu berauben. Das versuchen sie bis auf den heutigen Tag. Wer diesen Tatbestand bestreiten will, lese vorher die relativistische Literatur. Die Physiker haben gesagt, es könne durchaus sein, daß viele Menschen sich die Theorie nicht vorstellen, sie mit dem Verstand nicht erfassen können. Das ist unbestreitbar. Aber erst diejenigen Kritiker, die das nicht wahrhaben wollen, haben diese Aussage zu einer Polemik über den Verstand aufgebläht. Etwa "was man nicht versteht, kann auch nicht wahr sein". Damit will man wohl die, die es nicht (evtl. noch nicht) verstehen, für die Anerkennung der ignorierenden Kritik gewinnen. "Die entfachte Polemik durch das GOM-Projekt dient ganz offensichtlich nur dem Ziel, sich wichtig zu machen und das Projekt in den Mittelpunkt der Diskussion zu rücken." Es ist tatsächlich unser erklärtes Ziel, die Kritik der Theorien in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion zu stellen, aber schwer zu erreichen. Das ist wahr. Sicher aber deshalb, weil die Kritiker keine alternative Theorie haben. Herr Dr. Pohl berichtet aus eigener Erfahrung mit der Kosmologie, - "daß der Vorwurf des GOM über die Kritikunterdrückung durch bestimmte Kreise der theoretischen Physik nicht unberechtigt ist" und - daß "jede kritische Meinung als eine Art Verschwörung" hingestellt wird.
Warum also bezeichnet er dann unseren Protest gegen diese Kritikunterdrückung und den Verschwörungsvorwurf als "Machenschaft zur Verunglimpfung"?
Um die obigen Gedankenwirrnisse zu entfitzen, sei folgendes festgestellt: Ich habe eine Theorie kritisiert und mit der Kritik einen Lösungsansatz, eine alternative Theorie vorgeschlagen. Mir ist klar, daß sie auf Widerstand stoßen wird, immerhin ist die Kosmologie über 50 Jahre auf die Urknalltheorie festgelegt, warum auch immer. Eine Kritik aber der Kritik wegen, die keine Lösung in Aussicht stellt, ist gar nichts wert. Aber GOM kritisiert nach eigenen Aussagen auch nicht selbst, es wurden nur Kritiken zusammengetragen (3789 in der Textversion 1.2 des Projektes). Jedoch sind fast alle ohne Alternative. Worüber sollen sich die Physiker denn nun mit den Kritikern unterhalten? "Die gesamte Polemik läßt sich deshalb sehr leicht als populistische Machenschaft zur Verunglimpfung der SRT und der sie vertretenden Wissenschaftler entlarven."

Natürlich sind wir populistisch und erklären die SRT zum Nonsense von Anfang an. Die Wissenschaftler, die diesen Nonsense predigen, brauchen wir aber gar nicht zu "entlarven", das tun die mit ihrem Zwillingsparadoxon als dem Kronjuwel der Theorie schon selbst und haben sich die öffentliche Feier ihres großartigen Jüngerbleibens im Jahre 2005 auch noch mit rund 10 Millionen Euro aus Steuergeldern finanzieren lassen. Sollte jemandem die Selbstentlarvung dieser Leute nicht genügen, würden wir erforderlichenfalls natürlich gern weiterhelfen. Wenn GOM das kann, würde ich die Argumente dazu gern kennenlernen. Vermutlich wird man dabei versuchen, die Zeitdilatation und die Lorentzkontraktion anzuzweifeln, weil man sich nun einmal die Relativität der Materiebewegung in verschiedenen Inertialsystemen nicht ohne erheblichen mathematischen Aufwand vorstellen kann. Aber damit begründen zu wollen, daß es das alles nicht gibt, ist sicher vermessen, denn es sind experimentell bestätigte Tatsachen. Ohne die Berücksichtigung der genannten Relativität gäbe es zum Beispiel keine metergenaue Satellitennavigation, auch die Orbitaldaten geostationärer Satelliten wären nur ungenau berechenbar, um nur zwei praktische Anwendungen zu benennen.

Zur Schlußbemerkung:
"Die grundsätzlichen Erkenntnisse der Relativitätstheorie sind richtig, und auch das GOM-Projekt kann sie nicht widerlegen" möchten wir nur klarstellen, daß das GOM-Projekt selbst keine Theorie widerlegt, sondern nur die vernichtende Kritik der SRT seit 1908 dokumentiert: die Widerlegung ist das alleinige historische Verdienst der Kritiker, klar ist hier jedoch, daß bisher keine Kritik die Theorie widerlegt hat, vernichtend schon gar nicht, und ein besonderes historisches Verdienst der Kritiker ist auch nicht zu erkennen, und wir fordern nur die öffentliche Anerkennung dieser historischen Leistung und nach rund 100 Jahren einmal eine öffentliche argumentative Auseinandersetzung, in der die Theorie endlich auch öffentlich untergehen wird. Eine Vorhersage, mit der sich GOM entgegen obiger Selbsteinordnung, keine Theorie zu widerlegen, wohl doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Der "Untergang" wird sich nicht ereignen, weil die Theorie richtig, experimentell nachgewiesen und praktisch erprobt ist, und weil eine andere Theorie nicht vorhanden ist.

Ganz besonders muß unser Sarkasmus Herrn Dr. Pohl geärgert haben. Aber wie kann man auf den Nonsense und seine Vertreter ganz ohne Sarkasmus reagieren? Verärgern kann man mich damit kaum, denn Sarkasmus ist immer eine eingestandene Schwäche, weil Argumente lediglich rhetorisch wirkungsvoll vorgetragen werden, aber keinen verwertbaren oder glaubwürdigen Inhalt haben. Mit Sarkasmus will man nichts klären, sondern Treffer anbringen. Ein solches Herangehen aber ist wissenschaftlich unbrauchbar, ist eine Diskussion abseits der Wissenschaft.

G. O. Mueller
Dr. Manfred Pohl