Ein Brief an den Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland

Zu den Problemen der sogenannten Rechtschreibreform will wohl niemand eine echte Verantwortung übernehmen, mit der die Auffassungen der Mehrheit des deutschen Volkes endlich berücksichtigt würden. So jedenfalls geht es aus dem Schriftverkehr hervor, den ich mit dem Bundeskanzleramt geführt habe. Deshalb habe ich mich mit dem nachfolgenden Brief an den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewandt.




Beelitz, 09.01.2006

Dr. Manfred Pohl
Robert-Koch-Str. 5
14547 Beelitz
Tel. 033204 40015
Fax 033204 40016
E-Mail: UniPohl@aol.com


Bundespräsident
der Bundesrepublik Deutschland
Herrn Horst Köhler


Bundespräsidialamt
Spreeweg 1
10557 Berlin


Die Sorgen der Deutschen um den Bestand ihrer Sprache


Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

zu den Problemen mit der sogenannten Rechtschreibreform habe ich in den vergangenen Jahren zusammen mit vielen anderen Bürgern alle Möglichkeiten genutzt, über Einrichtungen des Bundes und der Länder, Gerichte, Behörden, Vereine und andere Institutionen Gehör zu erhalten, um über die Folgen, die aus den weiteren Versuchen ihrer Durchsetzung entstehen, Einsichten zu erzielen, die zu einer Zurücknahme der Reform und zur Wiederherstellung einer einheitlichen Rechtschreibung für alle Deutschen führen könnten. All das ist ohne jeden Erfolg geblieben. Ich wende mich deshalb heute an Sie, getragen von der Sorge um den Bestand der deutschen Sprache und damit unseres Volkes.

Die Rechtschreibreform wird stets im ausschließlichen Zusammenhang mit der Schule behandelt. Somit wird die Verantwortung für unsere Sprache gemäß den föderalen Strukturen auf die Länder gelegt. Das jedoch ist völlig falsch. Die Rechtschreibreform ist eine Angelegenheit der deutschen Sprache und nicht nur der Schulen. Sie betrifft jeden Deutschen und darüber hinaus jeden deutsch Lernenden und Sprechenden im Ausland. Für beides kann es deshalb keine zusammengelegte Verantwortlichkeit geben. Die Schulen sind mit Hilfe administrativer Vorgänge und Festlegungen zu führen und zu leiten, die deutsche Sprache hingegen nicht. Das sehen wir an der bereits jetzt eingetretenen Spaltung des deutschen Volkes in zwei Lager:

o Eine sehr geringe Zahl von Befürwortern und eine Minderheit, der man mit administrativen Mitteln die Reform aufzwingen kann,
        o Behörden, öffentliche Einrichtungen, deren Mitarbeiter per Dienstanweisung die reformierten Schreibweisen zu verwenden haben und bei Weigerung mit Restriktionen und Repressalien rechnen müssen,
o die Lehrerschaft, die auch gegen ihre Überzeugung die Mißleistungen der Reform unterrichten muß,
o die Hauptleidtragenden sind dabei die Kinder in unseren Schulen,
o und eine überwältigende Mehrheit, die sich der sogenannten Reform widersetzt und sie nicht verwendet,
o so gibt es zum Beispiel keinen namhaften deutschen Schriftsteller, der reformiert schreibt,
o so gibt es zum Beispiel ca. 250 deutsche Presseorgane, die die Reform nicht verwenden,
o so gibt es viele andere Persönlichkeiten, Wissenschaftler, Gruppierungen und Institutionen, die sich durch intensives Studium der reformierten Orthographie von ihrer Mißqualität überzeugt haben.

Die föderalen Strukturen unseres Landes haben hierbei versagt.

Wenn wir unsere Sprache in die Verantwortung der Länderregierungen stellen, fallen wir - zumindest sprachlich - zurück in die Zeit der Kleinstaaterei vor Bismarck. Es wird dann langfristig keine einheitliche deutsche Sprache mehr geben. Die deutsche Hochsprache, die in vieler Hinsicht mit der Schriftsprache im Zusammenhang steht, wird in Landesteilsprachen zerfallen und so nicht mehr existieren. Dies nicht erkennen zu können oder zu wollen, ist ein Grundfehler deutscher Kulturpolitik. Wie wir sehen, hat die Zerstörung bereits begonnen, denn seit 01.08.2005 betreiben 14 Länder die Reform offiziell, 2 nicht. Die Sprache und ihre Pflege gehört in die Verantwortung der höchsten Stellen der Bundesrepublik Deutschland, die für das ganze Land wirken. Auch die Kultusministerkonferenz (KMK), an die ich mich zusammen mit vielen Mitbürgern in verschiedenen Sprachschützerorganisationen in erster Instanz gewendet hatte, hat das nicht verstanden.

Die deutsche Schriftsprache bedarf keiner grundsätzlichen Neugestaltung. Die vor der Reform allgemein anerkannten Regeln waren und sind gut. Geringfügige Anpassungen an Gegenwartsentwicklungen können behutsam im Einklang mit den Ansichten der Bevölkerungsmehrheit in den allgemeinen Nachschlagwerken zur deutschen Sprache berücksichtigt werden. Eine solche Aufgabe, aber auf keinen Fall mehr, könnte dem Rat für deutsche Rechtschreibung zugeordnet werden.

Aber kein Gremium, keine Gruppierung, keine Einzelpersonen sind autorisiert, die Gesamtheit des orthographischen Regelwerkes unserer Sprache umzustoßen und durch ein anderes zu ersetzen. Das, was gegenwärtig von den Reformbetreibern mit unserer Sprache gemacht wird, ist der Ausdruck des Verlustes jeder Achtung und allen Respekts vor der Tradition und der Geschichte der deutschen Sprache. Niemand ist befugt, nach Gutdünken einzelner Personen oder Gruppen übliche anerkannte Schreibweisen der Wörter und Begriffe völlig willkürlich, unqualifiziert und losgelöst von allen sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen zu verändern und das in doktrinärer Art und Weise durchzusetzen versuchen. Allein schon die Ausdrucksweise "zulässige Schreibweisen zu erlassen" ist ein unzumutbarer Gewaltakt an der Sprache.

Ich will meine Darlegungen nicht mit Beispielen verlängern. Sie sind zu Tausenden auf meinem Internetplatz www.unipohl.de und mit Hilfe einer dort befindlichen Verweisliste auf viele Internetplätze anderer Autoren, Vereine und Gesellschaften, die sich für den Erhalt der deutschen Sprache einsetzen, nachlesbar.

Längst haben die vielen Vereine, die sich zum Schutz der deutschen Rechtschreibung organisiert haben, erkannt, daß die Reform ausschließlich im Profitinteresse der Medienkonzerne betrieben wird, die bei jeder Änderung durch die Herausgabe neuer Wörterbücher und Nachschlagwerke große Gewinne erzielen. Für die Medienkonzerne gilt: Je schlechter die Reform, desto mehr nötige Nachbesserungen, desto besser für den Profit. Das Schreckgespenst der Befürworter der Reform, die Rücknahme koste enorme Summen, ist eine seit langem entlarvte Zwecklüge. Die ständig notwendigen Nachbesserungen der Reform zur Beseitigung immer neuer erkannter Fehler und grober Mängel kosten ein Vielfaches davon. Die meisten dieser Änderungen gehen ohnedies in die Richtung der Wiederherstellung der vorher gültigen Regeln.

Und noch ein Problem ist durch das Versagen der föderalen Strukturen zu den Fragen der Sprache in Deutschland entstanden. Durch die großen Verwirrungen, die die Rechtschreibreform wegen ihrer sprachzerstörenden Wirkung und der fortwährenden Korrekturen der gröbsten festgestellten Mängel ausgelöst hat, haben die Schulen aufgehört, spracherzieherisch wirksam zu werden und bei den Heranwachsenden Sprachbewußtsein und Stolz auf die Muttersprache zu wecken. Die Lehrerschaft kann selbst nicht mehr wissen, wie denn nun richtig geschrieben werden soll, weil in immer kürzeren Abständen neue Festlegungen für die Schulen herausgegeben werden. Sie hat bereits resigniert. Ich weiß, wovon ich rede, ich bin an einem Gymnasium beschäftigt und habe auch Enkel, bei denen ich das beobachten kann. Einhergehend mit dieser Resignation nimmt nun auch niemand mehr Einfluß auf das notwendige Zurückdrängen des massenhaften Ersatzes deutscher Wörter durch englische Pseudobegriffe und damit eines fremdsprachlichen Überschwemmens des Deutschen. Diese gegenwärtige, sehr schädliche Modeerscheinung kann nur effektiv bekämpft werden, wenn in den Schulen bei der Spracherziehung damit begonnen wird.

Ich bitte Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, aufgrund dieser Tatsachen, die Ihnen ganz sicher bereits bekannt sind, die dringend notwendigen Schritte zur Zurücknahme der Rechtschreibreform zu veranlassen. Die Reform ist gescheitert. Das weiß die überwältigende Mehrheit unseres Volkes. Das ist in der Sprachwissenschaft eine gesicherte Erkenntnis. Bis jetzt jedoch hat noch niemand einen geeigneten Weg gefunden, die Organisationsstrukturen zu durchbrechen, auf die sich das gescheiterte Werk noch zu stützen vermag. Wir dürfen nach meiner Überzeugung nicht länger zusehen, wie die deutsche Sprache wegen der organisatorischen Unfähigkeit der zuständigen Organe unseres Landes zerstört und ihr Ansehen im Ausland weiter beschädigt wird.

Ich hatte Ende des Jahres 2005 einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, gerichtet, die etwa ein Jahr vor ihrem Amtsantritt öffentlich geäußert hatte, daß sie im Falle eines Wahlsieges mit der Kraft Ihrer Partei die Rechschreibreform beenden werde. Die Antworten, die ich daraufhin von mehreren Stellen erhalten habe, zeigten jedoch nur, daß alle Beteiligten ihre Verantwortung bestreiten, die Zuständigkeiten anderen zuweisen und sich selbst nicht engagieren können oder wollen. Von der Bundeskanzlerin selbst habe ich keine Antwort erhalten. Ich will diesen umfangreichen Schriftverkehr hier nicht zitieren, er ist ohne Problem auf meinem Internetplatz im vollen Wortlaut nachlesbar.

Ich habe zuversichtliche Hoffnung, daß mein Anliegen, das nach meinen Erkenntnissen das Anliegen der Mehrheit aller Deutschen ist, bei Ihnen Gehör finden wird. Noch ist nichts verloren, wenn aber nichts geschieht, werden unsere Folgegenerationen feststellen müssen, daß die deutsche Schriftsprache durch das Versagen unserer Generation kaputtreformiert worden ist.

Mit freundlichen Grüßen
und nachträglichen besten Wünschen für das Neue Jahr 2006

Dr. Manfred Pohl


Nachdem ich in den folgenden zwei Monaten keine Antwort erhalten hatte, auch keine Eingangsbestätigung, schrieb ich an den Chef des Bundespräsidialamtes, Herrn Dr. Michael Jansen, um mich nach dem Verbleib meines Briefes zu erkundigen. Ich vermochte nicht einzusehen, daß ein Schreiben, das eine so brisante Angelegenheit der Mehrheit des deutschen Volkes behandelt, einfach so verschwindet.




Beelitz, 13.03.2006

Dr. Manfred Pohl
Robert-Koch-Straße 5
14547 Beelitz
Tel. 033204 40015
Fax: 033204 40016
Mail: unipohl@aol.com
Internet: www.unipohl.de




Chef des Bundespräsidialamtes
Herrn Dr. Michael Jansen

11010 Berlin




Sehr geehrter Herr Dr. Jansen,

am 09.01.2006 habe ich per Einschreiben, Postversandnummer RV 46832128 7DE, einen Brief an den Bundespräsidenten gerichtet, auf den ich weder eine Eingangsbestätigung noch eine inhaltliche Antwort erhalten habe. In dieser Zusendung beschreibe ich kein persönliches Problem und auch kein privates Anliegen, sondern die Auffassung der Mehrheit unseres Volkes zur sogenannten deutschen Rechtschreibreform. Deshalb kann ich es nicht unkommentiert hinnehmen, wenn das Schreiben nicht beantwortet wird.

In genanntem Schreiben beleuchte ich ausführlich die politischen, ethnischen und internationalen Schäden, die diese Reform bereits jetzt angerichtet hat und weiter anrichten wird, wenn sie nicht gestoppt werden sollte.

Alle meine bisherigen Bemühungen als Privatperson und in meiner Tätigkeit im Rahmen von Sprachvereinen, bei einer großen Zahl von Institutionen, die in diese sogenannte Reform involviert sind, Gehöhr zu finden, haben stets dazu geführt, daß alle Befragten, die mehrheitlich gegen die Reform sind, die Verantwortung von sich weisen und an andere Stellen zu  verlagern suchen. Das Kuriosum besteht nun darin, daß die Reform, obwohl es keinen Verantwortlichen zu geben scheint, intensiv vorangetrieben wird, in ungeheuerlicher Mißqualität die deutsche Schriftsprache zerstört wird und dem Volk unzumutbare Veränderungen in der Anwendung seiner Sprache aufgezwungen werden sollen. Auf welcher sachlichen und wissenschaftlichen Grundlage die Kultusministerkonferenz ihre Entscheidungen zur Einführung trifft, bleibt für die übergroße Mehrheit des Volkes ein Rätsel.

Wie Sie wissen, geht es dabei nicht um die Änderung einzelner Schreibweisen, die stets in einer Sprache durch die natürliche Entwicklung fußfassen werden, sondern um die grundsätzliche, gewaltsame Beseitigung des gesamten Regelwerkes und seines Ersatzes per Verwaltungsakt durch ein anderes, in den meisten Teilen völlig unbrauchbares, das keiner wissenschaftlichen Analyse der Sprachentwicklung standhält. Alle Einwände von Wissenschaftlern und Kulturschaffenden unseres Landes wurden bisher verworfen. Die Grundfrage, ob irgendeine Institution das Recht besitzt, eine umfassende Sprachreform anzustrengen, wird seit der parlamentarischen Außerkraftsetzung der Ergebnisse eines Volksentscheides 1999 in Schleswig-Holstein nicht mehr gestellt. Mit diesem Schritt wurde der demokratische Souverän Volk abgeschafft. Bei einer großen Zahl von Bürgern hat das zu einem dramatischen Anwachsen der Politikverdrossenheit geführt – nicht nur in Schleswig-Holstein.

Ich bitte Sie deshalb mit großer Intensität, sich dieser Sache anzunehmen, damit von höchster Stelle in unserem Lande sachkundige Signale gesetzt werden, die in der Politik zu einem Umdenken in der Frage der Wahrung und Erhaltung unseres Kulturgutes Sprache führen können. Die Sprache kann keinem Verwaltungsakt unterliegen.

„Man kann ein Volk am ehesten ruinieren, indem man seine Sprache zerstört.“ Der Autor dieser Feststellung war ein weiser Mann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Manfred Pohl



Nun gibt es eine Antwort. Leider aber ist sie eine Katastrophe. Sie zeugt davon, daß dem Bundespräsidenten mein Schreiben sehr wahrscheinlich gar nicht vorgelegt worden ist. Auch Herr Dr. Jansen befaßte sich nicht selbst mit den Ausführungen und beauftragte Herrn Edgar Fischer mit der Abfassung einer Antwort. Diese Antwort spricht für sich. Entschuldigungen, Beschwichtigungen, Ausreden, Hinhaltemanöver, nichts zur Sache. Ein Schreiben, wie man es von profanen Betreibern der Sprachzerstörung erwarten muß, die ihr Machwerk durchsetzen wollen und die Volksmeinung ignorieren. Nichts vom Format eines Mitarbeiters im Amt des Bundespräsidenten. Vermutlich hat er es ganz oberflächlich gelesen, verstanden hat er nichts. Hat er überhaupt den Brief an den Bundespräsidenten in der Hand gehabt oder nur meine Nachfrage an Herrn Dr. Jansen? Hier ist die Antwort im vollen Wortlaut.



              
BUNDESPRÄSIDIALAMT BERLIN, 14. März 2006
Spreeweg 1

Geschäftszeichen: Z6 - 510 51-24-2/04
(bei Zuschriften bitte angeben)

Herrn
Dr. Manfred Pohl
Robert-Koch-Straße 5

14547 Beelitz


Sehr geehrter Herr Dr. Pohl,

Bundespräsident Horst Köhler dankt für Ihren Brief vom 9. Januar 2006. Aufgrund der Vielzahl der ihn täglich erreichenden Schreiben ist es ihm leider nicht möglich, Ihnen persönlich zu antworten.

In Ihrem Brief wenden Sie sich gegen die sog. Rechtsschreibreform. Diese weise erhebliche Fehler und Unzulänglichkeiten auf und werde von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt.

In der Tat ist die Geschichte der Rechtsschreibreform von heftigen Diskussionen, Unsicherheiten und Nachbesserungen begleitet. Zahlreiche Verwaltungsgerichte und Oberverwaltungsgerichte waren mit Klagen und Anträgen gegen die neuen Rechtschreibregeln befasst. Letztendlich soll von hier aus kein Urteil über Wert oder Unwert der Reform abgegeben werden. Es wird sich wohl in der Sprachwissenschaft keine einhellige Meinung erzielen lassen. Einiges an den neuen Regelungen mag sinnvoll, logisch und verständlich sein, anderes hingegen fragwürdig und möglicherweise wenig nachvollziehbar. Nach einer längeren Debatte sind einige strittige Bereiche der Rechtschreibreform jetzt nochmals geändert worden. Dies könnte dazu führen, dass nunmehr eine breitere Akzeptanz vorhanden ist. Dies zeigt sich darin, dass bisher der Rechtschreibreform gegenüber kritische Verlage, die "modifizierten Reformenregelungen" übernehmen wollen.

Die zunächst gegen die Reform sprechenden praktischen Erwägungen (Umstellungskosten, Verunsicherung der Bevölkerung) dürften nunmehr eher gegen eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung sprechen. Nach Inkrafttreten der Rechtschreibreform vor acht Jahren haben Behörden, Gerichte und Verlage die Rechtschreibung umgestellt. Der überwiegende Teil der Schulkinder hat Schreiben nach den neuen Regeln gelernt. Insofern wird auch die Akzeptanz der neuen Rechtsschreibregelungen Jahr für Jahr deutlich ansteigen.

Es ist jetzt wichtig, dass nunmehr Sicherheit hinsichtlich der Rechtschreibregelungen herrscht.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Edgar Fischer


Briefanschrift: Bundespräsidialamt 11010 Berlin, Internet: http://www.bundespraesident.de
E-Mail: poststelle@bpra.bund.de

Telefon: (030) 2000 - 0
Telefax: (030)2000-1999
Behördennetz: (01888)500-0
Behördennetz: (01888)500-1999
(Durchwahl: -2117)
(Durchwahl: -1915)


Wie man einen Mitarbeiter von so dramatischer Desorientiertheit mit der Beantwortung einer Zuschrift beauftragen kann, werde ich sicher nicht herausfinden können. Klar ist jedoch geworden, daß man sich im Bundespräsidialamt zum Thema deutsche Sprache keine Gedanken macht. Der Bundespräsident greift nicht ein, der Chef des Bundespräsidialamtes befaßt sich nicht mit dieser Thematik, und der beauftragte Mitarbeiter ist von so erschütternder Naivität, daß man glauben könnte, er sei gar nicht von dieser Welt. Die umwerfendsten Passagen in seiner Antwort sind wohl die folgenden:



o "Letztendlich soll von hier aus kein Urteil über Wert oder Unwert der Reform abgegeben werden." Tanderadei! Wenn auch die deutsche Sprache ruiniert wird, man kümmert sich nicht darum. Man schaut weg.
o "Es wird sich wohl in der Sprachwissenschaft keine einhellige Meinung erzielen lassen." Bar jeder Kenntnis: Die Sprachwissenschaft ist fast einhellig der Meinung, man hätte eine solche Reform nicht machen dürfen.
o "Einiges an den neuen Regelungen mag sinnvoll, logisch und verständlich sein, anderes hingegen fragwürdig und möglicherweise wenig nachvollziehbar." Die ganze Reform ist nicht "nachvollziehbar". Es wurde noch nichts gefunden, was sinnvoll wäre.
o "...einige strittige Bereiche... jetzt nochmals geändert worden. Dies könnte dazu führen, dass nunmehr eine breitere Akzeptanz vorhanden ist." Liest denn Herr Fischer keine Zeitung? Noch immer wird die Reform von der Mehrheit der Deutschen abgelehnt. Vor allem von Wissenschaftlern und Kulturschaffenden.
o "Dies zeigt sich darin, dass bisher der Rechtschreibreform gegenüber kritische Verlage, die "modifizierten Reformenregelungen" übernehmen wollen." Welche denn? Der Springer-Verlag ist vor kurzem erst zur Normalschreibung zurückgekehrt. Über 250 deutsche Presseerzeugnisse verwenden das reformierte Deutsch nicht.
o "Die zunächst gegen die Reform sprechenden praktischen Erwägungen (Umstellungskosten, Verunsicherung der Bevölkerung) dürften nunmehr eher gegen eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung sprechen." Ganz und gar nicht. Die letzten Änderungen sind wieder unsinnig und werden abgelehnt. So bastelt man weiter an der Sprache herum und wirft das Geld hinaus. Die Rückumstellung würde nur einmal Kosten verursachen.
o "Teil der Schulkinder hat Schreiben nach den neuen Regeln gelernt. Insofern wird auch die Akzeptanz der neuen Rechtsschreibregelungen Jahr für Jahr deutlich ansteigen." Die Lernenden werden als Geiseln für die Begründung zur Beibehaltung der Reform verwendet. Fakt ist, sie können ein gutes Buch nur mit Mühe lesen, weil die Schriftsteller anders schreiben.
o "Es ist jetzt wichtig, dass nunmehr Sicherheit hinsichtlich der Rechtschreibregelungen herrscht." Wichtig wäre das. Aber nach den letzten Änderungen hat sich gezeigt, daß der Rechtschreibrat erneut versagt hat. Sicherheit gibt es so auf lange Sicht nicht.

Ich werde wohl nun erneut an Herrn Dr. Jansen schreiben müssen, denn eine solche Antwort von höchster Stelle unseres Landes kann ich nicht akzeptieren. Danach werde ich die Information hier fortsetzen.

Nachfolgend nun der erneute Brief an Herrn Dr. Jansen und die Antwort darauf:

Beelitz, 21.03.2006

Dr. Manfred Pohl
Robert-Koch-Straße 5
14547 Beelitz
Tel. 033204 40015
Fax: 033204 40016
Mail: unipohl@aol.com
Internet: www.unipohl.de


Chef des Bundespräsidialamtes
Herrn Dr. Michael Jansen

11010 Berlin


Geschäftszeichen Z6 – 510 51-24-2/04


Sehr geehrter Herr Dr. Jansen,

ich danke Ihnen, daß Sie nun doch eine Antwort auf meinen Brief an den Bundespräsidenten gegeben haben. Jedoch bin ich über den Inhalt der Antwort des von Ihnen beauftragten Herrn Fischer erschüttert. Entschuldigungen, Beschwichtigungen, Ausreden, Ausflüchte, Hinhaltereden, nichts zur Sache. Auf keines meiner Argumente hat er eine sachlich begründete Antwort gegeben.
Ich nenne sie noch einmal in Stichpunkten:

Die Antwort, die ich von Herrn Fischer erhalten habe, ist - milde gesprochen - unbrauchbar. Ich habe nun keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als den ganzen Vorgang auf meinem Internetplatz http://www.unipohl.de interessierten Lesern zugänglich zu machen und ihn der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ zur Veröffentlichung anzubieten. Ich bin mit der Antwort unzufrieden und werde sie nicht akzeptieren. Die umwerfendsten Passagen der Antwort habe ich im folgenden mit sehr kurzen Kommentaren zusammengestellt.

An dieser Stelle habe ich die obige Tabelle mit den umwerfendsten Passagen aus der Antwort von Herrn Fischer eingefügt.

Wie Sie sehen, Herr Dr. Jansen, hat Herr Fischer von den Vorgängen, die zur Zeit mit unserer Muttersprache vor sich gehen – insbesondere zu den politischen Fehlleistungen, die um die Reform ranken – nichts verstanden. Wird eine solche Antwort wirklich mit Ihrer Billigung aus dem Haus gegeben?

Ich kann die Vorgänge in Ihrem Hause nicht verstehen. Der Bundespräsident befaßt sich bisweilen mit Einzelschicksalen von Bürgern in unserem Lande. Sicher beeindruckend und auch politisch notwendig. Aber für die Probleme einer überwältigenden Mehrheit unseres Volkes, in denen es um Gedeih oder Verderb unsers Kulturgutes Muttersprache geht, hat er keine Zeit?

Ich lege Ihnen als Anhang einen Beitrag der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ bei, in dem eine Bewertung der neuesten Änderungen an der Rechtschreibreform, die der Rat für deutsche Rechtschreibung erarbeitet hat, vorgenommen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Manfred Pohl

Und hier nun die Antwort.