bearbeitet: 07.02.2004    

Wer stoppt endlich diesen Wahnsinn?!

Bis jetzt hatten wir gegen eine Rechtschreibreform zu kämpfen, die wohl das Mißratendste war, was der deutschen Sprache je angetan worden ist. Doch was nun passiert, ist für normal denkende Menschen nicht mehr erfaßbar.

Man macht jetzt nicht mehr einfach eine Reform der Reform, man setzt auch eine Kommission auf die Kommission. Und was die verzapft, ist nun der Gipfel auf dem Gipfel. Man muß es ganz deutlich formulieren: Die Politiker, die das ausgeheckt haben, sind nicht mehr bei Troste. Sie sind ebenso dumm, wie sie arrogant und größenwahnsinnig sind. Es war ja nun im Laufe der Jahre, in denen wir uns mit dem Machwerk der sogenannten Rechtschreibreform herumzuplagen hatten, von vielen Seiten hieb- und stichfest nachgewiesen worden, daß die ganze Reform in all ihren Bereichen bis zur Unbrauchbarkeit unzulänglich und fehlerhaft war. Selbst die staatliche Anmaßung, überhaupt eine solche Reform den Völkern überzuwerfen, war falsch.

Doch was schert die Politiker die Sprachwissenschaft. Einen Fehler eingestehen? Was fällt den Völkern eigentlich ein, eine solche Forderung zu erheben! Was denken die sich nur, die Unfehlbarkeit der Politik anzutasten! Schließlich haben die sich nicht wählen lassen, um den Willen des Volkes zu achten. Wenn man die Macht schon endlich hat, so soll man sie auch nutzten - wider das Volk und wider besseres Wissen. Letztmalig hatten wir eine solche politische Praxis unter den Nationalsozialisten.

Was nun auf uns zu kommt, ist keine Orthographie mehr, es ist das Chaos. Die deutsche Schriftsprache wird nicht nur für den Schreibenden unbeherrschbar, sie wird auch zunehmend unlesbar. Was man sagt, kann man nicht mehr aufschreiben, denn was man nach diesen "Regeln", die nun kommen sollen, hinschreibt, ist auf gar manche Weise deutbar, es ist nicht mehr eindeutig, man kann es dem gesprochenen Wort nicht mehr zuordnen. Die deutsche Sprache wird kaputtreformiert.

Berücksichtigt man nun noch, daß die Durchsetzung dieses Vorhabens prinzipiell unmöglich ist, weil das Volk ja so gar nicht schreiben muß, wird die Misere in ihrer ganzen Breite deutlich. So gibt es bis heute keinen namhaften deutschen Schriftsteller, der sich nach dieser von den meisten Regeln befreiten Rechtschreibung richtet. Das heißt, die Orthographie der Literatur und dazu auch die des größten Teils der Schriftsprache der Wissenschaften bleibt, wie sie bisher war. Nur die Orthographie der Heranwachsenden und der Behörden, denen man mit Staatsgewalt den Erneuerungshumbug aufzwingen kann, wird geändert. So haben wir dann zwei deutsche Orthographien, mit denen das Volk gespalten wird: In eine Minderheit, die sich mit "jawoll" und Hackenknallen dem Diktat beugt, und eine überwältigende Mehrheit, der die Pflege kultureller Werte mehr bedeutet als die Versuche der Politik, aus einem Volk der Dichter und Denker ein Volk der Schwätzer und Versager machen zu wollen.

Übrigens: Die Orthographie der Griechen ist seit 2000 Jahren so gut wie unverändert. Jedoch beschwert sich kein Grieche etwa darüber, daß seine Sprache unmodern oder der heutigen Zeit nicht mehr gewachsen sei. Ob wir nicht daraus lernen müßten?

Macht endlich Schluß mit dieser Sprachzerstörung!
Besinnt euch, Politiker!