bearbeitet: 16.03.2008
Nachtrag vom 13.03.2011
T-Mobile und der Geschäftssinn
Es war schon immer etwas teuerer, Telekomkunde zu sein. Meine jüngsten Erfahrungen aber schlagen alle
Rekorde.
Einen Kurzurlaub im März 2008 verbrachte ich auf der Insel Usedom im Hotel Villa Neptun in Heringsdorf. Am
Rande bemerkt: Ein sehr schönes Hotel, in dem mir besonders die familiäre Atmosphäre, die ausgezeichnete
Küche und der angemessene Preis gefallen haben.
Nun habe ich auf Urlaubsfahrten stets meinen Reiserechner1) dabei, falls
das Wetter einmal so schlecht ist, daß man nichts anderes machen kann. So suche ich denn auch beim ersten
Einschalten2) nach einem kabellosen
Netzzugang3), in dessen Reichweite sich der
Rechner4) befinden könnte. Im Hotel Villa Neptun findet man zwei, beide
mit guter Signalstärke. Eine Frage an den Hotelinhaber, Herrn Diedrich, erbringt die Auskunft, der eine ist sein
Hausnetz, das er geschlossen hält und nicht zur öffentlichen Nutzung zur Verfügung stellt - aus verständlichen
Gründen - der andere ist eine Einrichtung der Telekom, der gegen Gebühr öffentlich benutzbar ist. Herr
Diedrich, den ich während des Gesprächs als sehr qualifiziert erkannt habe, übergab mir dazu ein
Faltblatt5) von T-Mobile, in dem näheres zu den Nutzungsbedingungen
zu erfahren war. Man liest, daß "HotSpots" bereitgestellt werden, über die man ganz einfach ins Internet
eintreten kann. Während ich noch beim Nachdenken war, was der "heiße Punkt" wohl beinhalten könne -
vermutlich ist es die verunglückte Benennung einer Netzanschalteinrichtung -, gelangte ich an die Textstelle,
an der die Preise bekanntgegeben wurden: 8 Euro je Stunde (!), 18 Euro für den ganzen Tag (24 Stunden).
Ich hielt nun das Blatt zunächst für eine kabarettistische Beilage zur Ostseezeitung - nein, es ist ein
ernstgemeinter Prospekt aus dem Hause T-Mobile. Nun, angesichts des Stundenpreises von 8 Euro sollen
wohl 18 Euro für 24 Stunden ein ganz besonderes Schnäppchen suggerieren, das der geneigte Kunde
eiligst annehmen solle. Der aber rechnet zum Bedauern der Telekom ganz anders: Für einen Wochenaufenthalt,
bei dem er zu beliebiger Zeit im Netz sein möchte, entstünden Gebühren von 126 Euro. Bei diesem
Preis kommt er ohne Umschweife zu dem Schluß, daß er es eine Woche lang auch mal ohne Internet aushalten
wird. Rechnet man einmal hoch, so entstünden monatliche Netzzugangskosten von 558 Euro. Das ist
der 30fache Preis, zu dem Pauschaltarife6) für
DSL7)-Zugänge im allgemeinen gehandelt werden. Spätestens jetzt fragt
man sich ernsthaft, was in den Köpfen, die das ausgedacht haben, wohl vor sich gehen mag. Der Verstand
fürs Geschäft hat hier zweifelsfrei versagt. Völlig.
Dann gibt es noch andere Angebote, die zur Verwunderung Anlaß geben. Zum Beispiel den Deutsch-Unfall
"HotSpot by call" für T-Home-Kunden zum Preise von satten 12 Cent pro Minute. Wenn man das
hochrechnet, kostet die Stunde 7,20 Euro. Das ist ebenso unsinnig wie kurios, denn im allgemeinen werden bei
anderen Anbietern8) zeitgezählte Zugänge mit 1,4 Cent pro Minute
oder weniger abgerechnet.
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Na, ist das nicht supergünstig!? |
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Nachtrag vom 13.03.2011:
| Drei Jahre sind ins Land gegangen und T-Mobile hat nichts dazugelernt (siehe rechts). Der Stundenpreis wurde nun von 8 auf 5 Euro gesenkt. Ei, welch ein großzügiges Entgegenkommen! Man nimmt noch immer 8,25 Cent je Minute. Auch der "Kulanzpreis" von 20 Euro für 10 Stunden, also 3,3 Cent/Minute ist weltfremd. Und bei 35 Euro je Monat hat man üblicherweise noch eine Telefonpausschale, die fehlt hier natürlich. Wenn es in der heutigen Zeit überhaupt noch irgendwo zeitgetaktete Zugänge gibt, so laufen die für 1 bis 1,2 Cent/Minute. Aber das gibt es heute kaum noch. Wir leben im Zeitalter der Pauschaltarife (Neudeutsch "Flatrates"). Ob man das bei |
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| T-Mobile schon weiß? Der Hotelinhaber verriet mir eine Information des T-Mobile-Vertreters, der Hotspot koste den Betreiber monatlich 200 Euro. Wer das wohl glaubt! Was würde denn passieren, fände ich einen Weg, mir diese Kosten aufschlüsseln zu lassen? Also, den Strompreis zahlt schon mal der Hotelinhaber. Was gibt es sonst noch? Wartungsarbeiten? Bisher erscheint ein Serviceangestellter alle 1 bis 2 Jahre. Was noch? Mehr sehe ich nicht. Aber eines sehe ich: Hier wird massiv geblufft. Der Kunde wird für dumm erklärt. Meint man bei T-Mobile wirklich, man könne mit solchen Zahlen Eindruck hinterlassen? In vielen Hotels gehört der Internetzugang mittlerweile zum kostenlosen Service. Aber dabei ist T-Mobile nicht im Spiel. Einige erheben 2 Euro für die Dauer des Aufenthaltes im Hotel. So sieht man, der T-Mobile-Preis ist ein echter Superpreis! (Sie wissen ja: super, lat. = über). Es gibt eine ökonomische Gesetzmäßigkeit: Halbiert man den Preis, verdoppelt sich der Umsatz. Das funktioniert aber nur bei Preisen in allgemein geschäftsüblichen Größen. Hier wird es nicht eintreten können weil der Preis immer noch achtfach über dem üblichen liegt. Da müßte man zunächst auf einen normalen Preis kommen. Es wäre gewiß kein Schaden, würde man bei T-Mobile endlich mit dem Nachdenken beginnen. So, wie es ist, funktioniert es nicht. Der Kunde verweigert sich einfach dem Abzocken. | |