bearbeitet: 05.08.2006     

Das ganze Fiasko auf einen Blick:
Die Bildzeitung erklärt uns die Rechtschreibreform.

Am 03.10.2004 war der Springer-Verlag und damit auch die Bildzeitung nach mehrjähriger Verirrung in den Wirren der Rechtschreibreform zum nichtreformierten Deutsch zurückgekehrt. Dieser Schritt wurde von der Mehrheit der Deutschen begrüßt und gewürdigt. Jetzt hat der Verlag erneut seine Meinung geändert und verwendet wieder die Reformschreibung. Was zu dieser Entscheidung geführt haben mag, bleibt ein Rätsel. Die nun zum wiederholten Male reformierte Reform ist insgesamt so untauglich, wie sie am Anfang war.

In der Bildzeitung erscheint nun am 31. Juli 2006 auf der Seite 10 eine zusammengefaßte Darstellung der "Regeln" nach den letzten Änderungen. Sie zeigen das ganze Desaster auf einen Blick.

Kommentar
Ist nicht reglementierbar. Hängt davon ab, was man meint: Wer das Klassenziel nicht erreicht, muß sitzenbleiben; wer eine Antwort gibt, darf dabei sitzen bleiben. Außerdem: Tätigkeitswörter, nicht -worte.
Also hängt es von der Höflichkeit ab? Wenn das Du sehr höflich ist, schreibe ich groß, sage ich du Blödmann, schreibe ich klein? Außerdem: Die Höflichkeitsanreden Sie und ihre Formen - wenn man über Rechtschreibung schreibt, sind solche Fehler besonders peinlich.
Hier ist alles falsch, was nur falsch sein kann: Stengel kommt nicht von Stange, Greuel nicht von Grauen. Überschwenglich folgt aus Schwengel, Schwenke (Schaukel), schwenken ('schwingen machen'). Daraus mit Lautwechsel Schwank, Überschwang. Die Reformer leiten rückwärts ab. Das ist falsch. Nach Reformerlogik also dann: Kognakschwänker? Und noch mal: Wörter, nicht Worte. Kann der Schreiber das etwa nicht unterscheiden?
Schon Konrad Duden (1829 - 1911) hatte erkannt, daß das zu unschönen Schriftbildern führt. Die ästhetische Seite der Schrift ist den Reformern jedoch abhanden gekommen.
Das haben die Reformgegner schon immer gesagt. Und es war auch immer so. Nun sind wir wieder zurück im richtigen Deutsch. Es bröckelt die Reform an allen Ecken.
Wie oben. Nicht reglementierbar. Beides ist notwendig, weil es verschiedene Inhalte wiedergibt. Mit solchen Regeln sollen Wörter aus der Sprache gestrichen werden. Wer maßt sich so etwas an?
Eben nicht! Tip kommt nicht von tippen, sondern engl. tip - Hinweis, Rat. Also auch Popp von poppen, Topp von toppen? Und Ass ist frei erfunden. Sinnfrei.
Warum wohl sollte man das Beisammensein oder das Zufriedensein oder das Dasein "grundsätzlich" getrennt schreiben? Das ist bloßes Machtgehabe der Reformer. Es hat überhaupt keinen Sinn.
Vorsicht! Das Rad fahren ist etwas völlig anderes als das Radfahren. Soll es etwa zukünftig eines von beiden nicht mehr geben? Man kann nicht per Dekret Begriffe aus einer Sprache entfernen wollen.
Es wirkt angesichts des bisherigen Unfugs wie ein Wunder, daß man das erkannt hat. Ein Lichtblick in den dunklen Hirnen?
Also fasst eine Altlasst mit Lisst auf den Misst geworfen. Alles kurze Vokale oder wie jetzt? Am Masst vor dem Palasst rassten und dabei fassten? Andererseits nach dieser Regel Vaße, Phaße, leiße, Rieße? Ein trisstes Deutsch! Voll daneben die ganze Regel! Unbrauchbar, widersinnig.
Das kann man so nicht generalisieren. Man unterdrückt hier leichtfertig und unüberlegt das Auslassungskriterium: Dieses Jahr war gut. Das folgende wird besser. Hier wäre die Großschreibung ein verordneter grammatischer Fehler. Die Regel beinhaltet eine unzulässige Pauschalisierung.
Ja, das war schon so. Das ist keine Erfindung der Reformer. Da deren Kommaregeln bis heute niemand anwendete, konnte man am Ende nur noch zurück zum richtigen Deutsch.
Der Vater empfahl(,) dem Lehrer(,) nicht(,) zu widersprechen. Die Freistellung des Kommas ist hier verhängnisvoll. Eine der Klammern muß man setzen. Auch bei einfacheren Infinitivsätzen gerät man ohne Komma ins Stottern.

Wie man sieht, konnten die Probleme der deutschen Rechtschreibung auch mit der reformierten Reform der Reform nicht gelöst werden. Der Rat für Deutsche Rechtschreibung hat erneut versagt. Der Schaden für die deutsche Sprache ist ein weiteres Mal vergrößert worden. Und die Politik (Kultusministerkonferenz) "beschließt" diesen Unfug, weil auch dort grundsätzlich notwendige Sach- und Fachkenntnisse fehlen, von der fehlenden gesellschaftlichen Legitimation für diese Anmaßung ganz zu schweigen. Wissenschaftler und Geistesschaffende, voran Prof. Dr. Theodor Ickler von der Universität Erlangen, die seit vielen Jahren mahnende Appelle und wissenschaftlich begründete Argumente für das Scheitern dieser Reform vorlegen, werden von der Politik vollständig ignoriert.

Das ist ein erneuter Beweis für die Unfähigkeit der heutigen Politikermannschaft in unserem Lande, Unfähigkeit, die sie unter systematischer Ignoranz wissenschaftlicher Erkenntnisse auf allen Gebieten des Lebens tagtäglich zeigt.