bearbeitet: 26.10.2006     
ergänzt: 03.04.2007     

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.
Heinrich Heine


Deutschlands Existenz ist bedroht

Wenn in Deutschland weiter so gehandelt wird, wie zur Zeit auf allen Gebieten zu beobachten ist,
wird das Land noch zwei bis drei Generationen bestehen, dann macht der Letzte das Licht aus.

Was ist los in diesem Land? Die Wirtschaft ist ruiniert, die Unternehmensmoral beseitigt, die Justiz ist unfähig, Korruption häuft sich auf allen Ebenen und in allen Bereichen, die deutsche Sprache ist zerstört, die Politik ist zu nichts zu gebrauchen. Die Demokratie ist abgeschafft. Ein Volk wird kaputtgemacht, und die Politik ist außerstande, dies zu bemerken.

Warum werden wir von soviel Dummheit regiert, wo doch die Weisheit zu haben ist?

Diese Aussagen seien nachfolgend kommentiert und mit Beispielen belegt.

Beispiel Wirtschaft

In den vergangenen Jahren haben sich in Deutschland verschiedene Parteikoalitionen an den wirtschafts- und sozialpolitischen Problemen versucht. Das Resultat ist zunehmende Arbeitslosigkeit, drastischer Sozialabbau und Notprivatisierungen des Staates. Der freie Markt sollte Kapital und Wohlstand für alle bringen. Das jedoch war reines populistisches Getöne, tatsächlich wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer. Franz Groll weist den Vertretern der neoklassischen Wirtschaftstheorie nach, daß ihre Dogmen von den Chancen des globalen Marktes und seinen segensreichen regulierenden Kräften auf falschen Prämissen beruhen. Er plädiert dringend für eine Korrektur der wirtschaftspolitischen Bedingungen. Eine "neue Ordnung" denken. Wer macht sich heute noch die Mühe, die allgegenwärtigen Schlagwörter des Neoliberalismus zu überprüfen? Franz Groll hat es getan. Nach Abschluß seiner beruflichen Karriere und fünfjähriger Arbeit in der Entwicklungshilfe studierte er Wirtschaftswissenschaften, und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Die Verfechter des unbeschränkten Marktes haben ihre Lehrmeister wie Keynes und Adam Smith nicht verstanden. Vieles von dem, was uns als Grundwahrheiten der Volkswirtschaftslehre verkauft wird, ist schlicht falsch. Groll entlarvt die Mißverständnisse der Neoklassiker und zeigt: Kapital ist kein Produktionsfaktor! Nicht das Kapital bildet die Grundlage des Wohlstandes, sondern unsere Kreativität und die Arbeitskraft in Verbindung mit der Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen. Franz Groll beschreibt konkrete Maßnahmen, die notwendig sind, um uns vor einem "dunklen Zeitalter" zu bewahren: Investitionen in Zukunftsleistungen: Optimale Ausbildung, Nutzung der angebotenen Arbeitskraft, Abbau der Staatsschulden, Umweltschutz, Investitionen in neue Technologien. Grundlegende Änderung der Steuerpolitik. Steuern erheben auf die Verschwendung von Ressourcen, nicht auf Arbeitskraft. Gezielte Förderung von jetzt noch schwach entwickelten Partnerstaaten: Diese sollen uns im Gegenzug bei den Problemen helfen, die sich durch die Überalterung unserer Gesellschaft ergeben. Kontrolle der internationalen Finanzmärkte. Mit der Dreifachbelastung Staatsschulden, Umweltprobleme und Seniorenversorgung wird die junge Generation in zehn bis zwanzig Jahren erdrosselt. Grolls Analyse ist umfassend, seine Lösungsvorschläge packen die Probleme an der Wurzel. Noch ist es nicht zu spät für eine "neue Ordnung", wie sie der Autor fordert.

Beispiel Unternehmensmoral

Ist Anstand eine ökonomische Tugend? Der Ökonom sagt nein. Die ganze Gesellschaft ist aber der Logik des ökonomischen Denkens unterworfen. So ist es üblich geworden, daß Unternehmensleitungen der Öffentlichkeit mit stolzgeschwellter Brust verkünden, man habe einen sensationellen Gewinn erzielt, und im gleichen Atemzug ebenso stolzgeschwellt wissen lassen, man werde Tausende von Mitarbeitern entlassen. Der Protest der Betroffenen bewegt niemanden in dieser Elite. Die sich häufenden Siegesmeldungen der Bosse bedeuten, wie jeder weiß, die Zerstörung zahlloser beruflicher Biographien. Wenn ein Unternehmen Verluste macht, lautet die Antwort: Entlassungen. Wenn ein Unternehmen Gewinn erzielt, lautet die Antwort neuerdings erst recht: Entlassungen. Wie soll man das nennen, wenn nicht Wahnsinn? Dessen Methode besteht darin, den Gewinn um jeden Preis zu steigern. Der Gewinn dient aber zuerst der Befriedigung der Aktionäre, nebenbei auch der finanziellen Bevorratung für schwierige Zeiten, aber nicht den Arbeitnehmern. Und wie erzielt man mehr Gewinn mit weniger Mitarbeitern? Durch brutale Ausbeutung, durch Überbelastung der Verbliebenen. Dies sei, so sagt der Ökonom, angesichts des wachsenden globalen Konkurrenzdrucks zwingend geboten. Anders zu denken, ist ihm verlorengegangen. Damit werden die Mitarbeiter eines Unternehmens zu leblosem Material, das man entsorgt, wenn man meint, es nicht mehr zu benötigen.

Deshalb es ist an der Zeit, von Anstand zu reden. Der Chef eines Unternehmens trägt für die von ihm Abhängigen Verantwortung. Seine Aufgabe besteht nicht allein darin, Effizienz und Kurswert zu steigern und im Falle des Erfolgs die Prämie zu kassieren, im Falle des Mißerfolgs die Abfindung. Er hat ebenso die Aufgabe, das Schicksal der ihm Anbefohlenen zu bedenken und das Gemeinwohl im Auge zu behalten. Anständig ist es, für den erzielten Gewinn jenen zu danken, die ihn erarbeitet haben, sie daran teilhaben zu lassen und ihn nicht allein einzustecken, sowie auch in neue Arbeitsplätze zu investieren. Unanständig ist es, die Verkündung des Gewinns mit der Androhung von Unmenschlichkeiten zu verknüpfen. Unanständig ist es, den Unternehmensleitungen unverschämte Einkommenserhöhungen zuzuschanzen, die erst mit einem riesigen Personalabbau ermöglicht werden. Täglich erreichen uns Nachrichten, daß Gehaltserhöhungen von Managern der Summe der Gehälter von 10 bis 15 Mitarbeitern äquivalent sind. Namensnennungen sind hier eignetlich nicht erforderlich, täglich stehen neue Botschaften dieser Art in der Presse. Hier nur ein jüngeres Beispiel: Josef Ackermann (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank) erhielt für das Jahr 2006 zusätzlich zu seinem leistungsunabhängigen Grundgehalt von 1,6 Millionen Euro 13 Millionen Euro zusätzlich! Mit dieser Zuwendung könnte man ca. 1000 Arbeitsplätze ein Jahr lang erhalten. Hier ist unverschämt sicher nicht das richtige Wort. Skrupellos dürfte treffender sein. Selbst wenn Anstand keine ökonomische Tugend sein sollte, so ist er doch die Tugend, auf der unser aller Zusammenleben beruht. Sie bedarf des Vorbilds der Elite, gerade der ökonomischen. Die aber hat sich dramatisch verändert. Der Unternehmerpatriarch mit der dicken Zigarre, den die politische Satire zu verspotten pflegte, hatte immerhin das Eigeninteresse, in der Stadt, zu deren Honoratioren er sich zählte, geachtet und verehrt zu sein. Massenentlassungen in einem gut funktionierenden Unternehmen hätte er gescheut. Er gab sich gern volksnahe, und nicht selten war er’s auch.

Es sei in diesem Zusammenhang ein Gedanke von Wayne Cascio, einem amerikanischen Professor für Managementpsychologie, erwähnt. In seinem Buch "Responsible Restructuring" unterscheidet er zwischen Managern und Unternehmen, die ihre Mitarbeiter als Kosten ansehen, und solchen, die sie als Vermögen betrachten. Das ist sehr viel mehr als eine intellektuelle Wortspielerei: Bei "Kosten" denkt man immer über Möglichkeiten ihrer Senkung nach, bei "Vermögen" hingegen fragt man, wie man es gewinnbringend arbeiten lassen kann. Man beachte, daß dies so betrachtet kein sozialer oder humanistischer Blickwinkel ist, sondern eine ebenso unternehmerische Strategie ist wie Kostensenkung, nur steht diese Denkweise mit humanistischen Denkstrukturen im Einklang. In zwei aufwendigen Studien haben Cascio und Kollegen nachgewiesen, daß Unternehmen, die Personal abgebaut haben, in den beiden Folgejahren eine deutlich schlechtere Eigenkapitalrendite erzielten als Unternehmen, die die Beschäftigung stabil gehalten oder erweitert hatten.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking übt im SPIEGEL harte Kritik an Managerkollegen, die trotz hoher Profite im großen Stil Mitarbeiter entlassen. Eine deutliche Position bezieht Wiedeking als Großaktionär auch zu einem Zankapfel bei VW - es geht um die Zukunft des Stammwerks in Wolfsburg. "Es ist nicht nachzuvollziehen, wenn Konzerne Rekordgewinne melden und zugleich ankündigen, daß sie Tausende von Arbeitsplätzen streichen", sagt Wiedeking im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Ein möglichst hoher Gewinn kann doch nicht das einzige Ziel eines Unternehmens sein." Es müsse "uns doch zu denken geben, wenn Menschen vielen Wirtschaftsführern und Politikern keinerlei Glaubwürdigkeit mehr zubilligen", so Wiedeking. Die Entwicklung könne dazu führen, daß "unsere ganze Gesellschaft instabil wird". Der Porsche-Chef verweist dabei auf die Wahlergebnisse von Mecklenburg-Vorpommern, wo Rechtsextreme erfolgreich waren, und Berlin, wo die beiden großen Volksparteien nur gut 50 Prozent der Stimmen erhalten hatten: "Ich sehe in dieser Entwicklung ein Warnzeichen für die Gesellschaft." Der Vorstandsvorsitzende von Porsche forderte die Politik auf, den unfairen Standortwettbewerb innerhalb Europas zu unterbinden, der zur Verlagerung von Arbeitsplätzen führe. Manche Länder könnten sich Niedrigsteuern leisten, weil sie von der EU und damit vom Nettozahler Deutschland Geld überwiesen bekommen. "So finanzieren wir den Abbau unserer eigenen Arbeitsplätze mit", sagte Wiedeking. Da müsse man sich fragen: "Auf welchem Stern leben wir eigentlich?"

Beispiel Justiz

Die Polizei führt der Justiz Straftäter zu, und die läßt sie wieder laufen. Und hier meine ich keine Ladendiebe, sondern schwere Kaliber. Eine Panne reiht sich an die nächste. Senatoren räumen schwere Versäumnisse ein: Ein Täter hätte längst hinter Gittern sein müssen. Eine gute Woche nach der Inhaftierung des durch einen Gentest überführten Kinderschänders von Lurup haben Justizsenator Roger Kusch und der stellvertretende Behördenleiter der Staatsanwaltschaft, Johann Meyer, Pannen, Verfehlungen und Versäumnisse eingeräumt. Gleichzeitig kündigten sie an, in Zukunft seltener Haftzurückstellungen auf Grund einer Drogentherapie zuzulassen. Der Hintergrund: Der Kinderschänder von Lurup hatte nach derzeitigen Erkenntnissen zwei kleine Mädchen und eine Jugendliche zu Opfern von Mißbrauchshandlungen machen können, weil er wegen des erfolgreichen Antrags auf Drogentherapie statt im Gefängnis auf freiem Fuß war. Dabei wurde die Zurückstellung gewährt, obwohl der Strafvollstreckungskammer bei der Staatsanwaltschaft bekannt war, daß gegen den Täter mehrfach wegen Exhibitionismus ermittelt worden war. Die tragische Verkettung von Fehleinschätzungen, Fehlentscheidungen und Kommunikationsmängeln begann nach der Analyse von Justiz- und Strafverfolgungsbehörde im Juli vergangenen Jahres. Damals wurde die Vollstreckung einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe, zu der Francisco P. im April 2003 wegen Raubstraftaten auf ältere Damen rechtskräftig verurteilt worden war, zur Aufnahme einer stationären Drogentherapie zurückgestellt. P. konnte die Untersuchungshaft verlassen und begab sich zur Entgiftung in eine Abteilung des Klinikums Nord. Dort soll er am 18. Juli, vier Tage nach seiner Aufnahme, nachts eine Patientin aufgesucht und im Genitalbereich berührt haben. Der Fall kam zur Anzeige, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch ein. Erst auf eine Beschwerde des Opfers wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Am 15. August mißbrauchte P. im Volkspark eine 13jährige, indem er sie zwang, ihm bei seiner Selbstbefriedigung zuzusehen. Anschließend habe versucht, das Mädchen zu verfolgen. Wegen dieser Mißbrauchstat erhob die Staatsanwaltschaft am 7. Januar Anklage. Auch der Dezernent der Strafvollstreckungskammer bei der Staatsanwaltschaft, der die Rückstellung der Strafvollstreckung bearbeitet, wurde von der Anklage in Kenntnis gesetzt. Dennoch empfahl der Dezernent dem Gericht, einer weiteren Zurückstellung der Haftstrafe wegen Raubes zuzustimmen und die Rückstellung nicht zu widerrufen - obwohl P. den Dezernenten davon in Kenntnis gesetzt hatte, daß er seine stationäre Therapie abgebrochen habe und in eine ambulante Therapie gewechselt sei. Das Gericht verweigerte die Zustimmung zur Weiterführung der Therapie. Daraufhin wurde die Zurückstellung widerrufen und P. zum Haftantritt geladen. Da der Anwalt des Kinderschänders beantragt hatte, von Zwangsmaßnahmen abzusehen, wurde kein Haftbefehl vollstreckt. P. blieb auf freiem Fuß - und fiel erneut auf: Am 24. März nestelte er vor Kindern auf einem Spielplatz an seinem Hosenschlitz. Daraufhin wurde P. am 25. März festgenommen und auf Antrag der Polizei einem Haftrichter vorgeführt. Der diensthabende Staatsanwalt und der Haftrichter lehnten einen Haftbefehl ab. Das Herumnesteln an der Hose reiche für einen Haftbefehl nicht aus, so die Entscheidung. P. wurde frei gelassen und vergewaltigte zwei Tage später in Lurup die fünfjährige Eileen. Am 31. März konnte er festgenommen und inhaftiert werden. Heute ist bekannt, daß er nicht nur die 13jährige und die Fünfjährige zu Opfern machte, sondern auch ein neunjähriges Mädchen. Dieses zwang P. am 18. März, sich auszuziehen und ihm beim Onanieren zuzusehen.

Das war nur ein Beispiel. Würde man alle bekanntgewordenen Beispiele solcher Art in dieser Ausführlichkeit behandeln, wäre der Rahmen dieses Beitrages gesprengt. Solches Versagen zieht sich durch die gesamte Justiz des Landes. Und es ist nicht nur eine Anhäufung von Fehlern und Pannen, es basiert im Grunde auf einem System von Fehleinstellungen und Mißhaltungen zur Materie selbst. Führen die Fehlgriffe und Falscheinschätzungen zu neuen Straftaten der so Begünstigten, wird von den Versagenden niemand zur Verantwortung gezogen. Ein Gutachter zum Beispiel, der einem Sexualtäter die gesellschaftliche Rehabilitation bescheinigt, kann sich ohne Angst irren, er wird auch im Falle einer Tatwiederholung nicht strafrechtlich belangt. Eines gilt aber immer: Die Täter sind stets besser geschützt als die Opfer. Und in den sanatorienähnlichen Strafvollzugsanstalten mit Schwimmbecken und Tennisplätzen, gebaut mit Steuergeldern, können sich die Täter wohlfühlen. Eine Umerziehung ist unter solchen Bedingungen schwer zu machen.

Beispiel Korruption

Noch liegen uns allen die Spendenskandale um die CDU-Parteigelder unter Altkanzler Helmut Kohl im Gedächtnis. Besonders beeindruckte die Hartnäckigkeit, mit der diese Skandale defacto legalisiert wurden. Berechtigt fragen sich die Menschen, wenn die Korruption bis in die Staatsspitze reicht, wie dann auf anderen Ebenen Ehrlichkeit und Redlichkeit gedeihen sollen. Aber das alles hatten wir doch schon einmal. Die Tageszeitungen veröffentlichen beachtliche Chroniken der Parteispenden- und Korruptionsskandale seit den achtziger Jahren. Man wird daran erinnert, daß insbesondere nach der Flick-Affäre die gesetzlichen Grenzen für Parteispenden deutlich enger gezogen wurden. Gemäß einer bekannten Dialektik des Gesetzes hat das die Parteiorganisatoren nur findiger gemacht, die Millionen an den Gesetzen vorbei in die Parteikassen zu schleusen. Werden die Parteikonten öffentlich kontrolliert, richtet man eben andere Konten ein. Sind gesetzliche Obergrenzen für die Offenlegung oder die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden festgelegt, so werden die Beträge eben aufgeteilt - das alles ist inzwischen Schulwissen.

Der VW-Skandal hat 2005 wie kein anderer die Medien beschäftigt, denn mit dem Ex-Personalvorstand Peter Hartz steht ein Mann unter Verdacht, dessen Name in der Politik für absoluten Sparwillen steht. Umso brisanter, sollten die Vorwürfe stimmen, daß aus Hartz' Spesenkasse Luxusbordell-Besuche für VW-Betriebsräte finanziert wurden, um diese auf Unternehmenskurs zu bringen. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Braunschweig prüft derzeit, ob gegen den Ex-Personalchef Anklage wegen Begünstigung von Betriebsräten erhoben werden muß. Umso ungelegener kommt VW der derzeitige Verdacht, Mitarbeiter von VW und der Tochter Audi hätten über viele Jahre hinweg Bestechungsgelder von der französischen Autozulieferfirma Faurecia entgegengenommen. 600.000 Euro bis 800.000 Euro sollen pro Jahr an insgesamt 20 verschiedene Mitarbeiter gezahlt worden sein. Neben Schmiergeldern sollen auch teure Möbel und Urlaubsreisen als "Zahlungsmittel" gedient haben. Zwei Einkaufsleiter von VW und ein Audi-Mitarbeiter stehen dabei im Zentrum der Ermittlungen. Sie allein hätten jeweils weit über 100.000 Euro erhalten.

Stellt sich das Thema gleichwohl auf neue Weise? Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen Herrn Kiep wegen Verdachts des Steuerbetrugs im Zusammenhang mit einer Parteispende. Binnen Wochen wurde daraus in der Öffentlichkeit, über die vermittelnden Glieder in der Themenkette: Parteienfinanzierung, Politikfinanzierung, Korruption, das Thema Geld und Politik, ausgeweitet zu Moral der Politik. Es ist, als liege ein Muster bereit, in das die täglich einlaufenden Nachrichten routiniert eingeordnet werden. Die Rollen im Skandalopoly sind verteilt. Schon treten in Interviews wieder Politologen als Hüter der Moral auf, als Fürsprecher einer sauberen Politik, die es wohl niemals gegeben hat. Man erkennt den zunehmenden Verfall der politischen Klasse und will die Zeiten beschwören, da Politiker ihren Job noch als Berufung, rein für die Ehre taten. Aber man weiß allgemein, daß diese Zeiten vorbei sind. Wir leben in einer tiefen Krise der Glaubwürdigkeit der Politik und haben es mit der zunehmenden Politikverdrossenheit breiter Volksschichten zu tun.

Die Themen werden ja im Schlepptau der Skandale selbst formuliert, die Presse lauscht dem Stammtisch, die Wissenschaft lauscht der Presse. Der gemeinsame Nenner aller Schlagworte besteht darin, daß der Korruptionsskandal als Grenzfall der Politik betrachtet wird. Aber ist es nicht vielleicht so: jede der großen Parteien unterhält eine ständige Kommission zur Aufdeckung der Verfehlungen der jeweils anderen. Die Fälle stapeln sich im Giftschrank, zur rechten Zeit, wenn die anderen die Nase zu selbstbewußt in den Himmel strecken, wird eine Akte herausgeholt und sie bekommen eins drauf. Dabei will ein gewisses Maß eingehalten werden, damit die Gegenseite nicht in die Versuchung kommt, ihren Giftschrank gleich ganz auszuräumen.

Das genügt, um die These zu wagen, daß Korruptionsskandale nicht Grenzfälle der Politik sind, sondern zu ihrem normalen Funktionieren gehören. Das war nicht immer so in Deutschland. Noch in den achtziger Jahren waren die beiden großen Parteien, CDU und SPD, von der Korruption und den Skandalen ganz verschieden betroffen. Man muß nur an die Neue Heimat und an Flick denken. Die CDU gewann mit dem einen Skandal die Wahlen, die SPD konnte mit dem anderen Kohl nicht stürzen. Die CDU redete damals in neoliberaler Manier gegen die Ses-selfurzer (Franz Josef Strauß) des Sozialetatismus, einer Politik der permanenten Risikos und der Normüberschreitung das Wort. Sie wollte die Wagemänner und Raubritter repräsentieren, die Grenzgänger zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen Gemeinwohl und Profit. Der SPD-Wähler hingegen, wahrer Wertkonservativer, glaubte noch an die Normen der Verfassung und des politischen Betriebs und nahm es seinen Oberen erst recht übel, wenn sie dagegen verstießen. Korruption ist modern, und der Skandal ist das bereinigende Gewitter, das die Sonne über der Politik wieder scheinen läßt. Mal ehrlich, darf man nicht einfach sagen, daß diese typischen Affären nur zeigen, daß für die Kieps ebenso wie für die Glogowskis das Eintopfessen mit den Kumpels immer nur die Pflicht und die "Edelsause" mit den Bossen die Kür ist.

Beispiel deutsche Sprache

Günther Oettinger, der Ministerpräsident Baden-Württembergs, mahnte ernsthaft, bald müsse jeder Facharbeiter Englisch können. Dann legte er noch eins drauf. Mit unverhülltem Zynismus fügte er hinzu, als Freizeitsprache werde die deutsche Sprache aber erhalten bleiben. Was mag in einem solchen Kopf vor sich gehen? Es fehlt an Grundkenntnissen und an ganz elementarer Logik. Wie wird man mit einer Muttersprache, die zum Käsekaufen gerade noch genügt, eine Fremdsprache erlernen können? Wie wird im Englischen bei jedem Deutschen ein Niveau erreicht, auf dem man einander ebensogut versteht, wie auf deutsch? Weiß er nicht, daß sich beim Erlernen der Muttersprache im Gehirn eines Kindes Vorgänge abspielen, die später nicht wiederholbar sind? Er weiß es nicht. Und niemand hat ihm klargemacht, daß er mit solchen Auffassungen und mit derart unterentwickeltem Wissen als Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes untragbar ist.

Unsere Sprache ist eines der höchsten Kulturgüter unseres Volkes. Ohne die ständige Pflege und das Eintreten für die Erhaltung der Muttersprache ist ein Volk zum Untergang verurteilt. Das falsche Idoldenken, das gegenwärtig zu einer unmäßigen Überschwemmung des Deutschen mit englischen Vokabeln führt, mit denen deutsche Wörter ausradiert werden, hat bereits zu umfassenden Beschädigungen der Sprache geführt. Es ist unübersehbar geboten, diesem Prozeß durch Erziehung und Überzeugung Einhalt zu gebieten und ihn umzukehren. Wo anders könnte das beginnen, als in den Schulen? Aber durch die staatlich angemaßte Einführung einer Reform, die in der deutschen Rechtschreibung ein völliges Chaos angerichtet hat, in der das orthographische Regelwerk in seiner Gesamtheit durch ein unbrauchbares ersetzt werden soll, die Tausende Wörter vernichten will, die Phonetik verändern will, Schreibweisen aus dem 17. Jahrhundert wiedereinführen will, die Silbentrennung abschaffen will, wird der Lehrerschaft die Möglichkeit genommen, spracherzieherisch wirksam zu werden. Eine Flut von englischen Ausdrücken wurde in die deutschen Rechtschreibnachschlagwerke aufgenommen, die zweifelsfrei in ein englisch-deutsches Wörterbuch gehören, nicht aber in den Duden. Die Rechtschreibreformer maßen sich an, durch sogenannte "Regel"festlegungen "der allgemeinen Tendenz zum Zusammenschreiben entgegenzuwirken". Eine solche Arroganz einer selbsternannten Gruppe von Sprachverbesserern, die niemand gerufen hat, gab es in der Geschichte noch nie.

Auszüge aus einem Beitrag von Rudolf Lubeley
Zerstörung der deutschen Sprache: Gedanken zum passiven Widerstand

Die alltägliche Verhunzung, Verflachung, Verarmung und fortschreitende Zerstörung der deutschen Hochsprache ist eine Tatsache, die inzwischen weitgehend anerkannt wird. Diese Entwicklung bezieht sich nicht nur auf die "Wortpanscherei", sondern auch auf ein schier abenteuerliches Verhältnis vieler Journalisten und Redner zu den Regeln der deutschen Grammatik. Das kann man bei der Zeitungslektüre oder beim Anhören öffentlicher Worthülsen täglich feststellen. Wahrscheinlich liegt das, zumindest zum Teil, an der inneren Fixierung auf die englische Grammatik und ist insofern auch eine Form des "Engleutschen". Trotzdem bleibt die zunehmende Amerikanisierung und Verdrängung des deutschen Wortschatzes die unmittelbarste Gefahr für den Fortbestand der deutschen Kultursprache.

Diese Entwicklung ist mit nichts anderem in früherer Zeit vergleichbar. Denn was hier vor sich geht, beruht nicht auf irgendeinem Zufall, einem Modefimmel der "besseren Gesellschaft", auf der ausgeprägten Neigung zum "Nachäffen" bei den Deutschen (Kant), oder gar auf einer unabänderlichen Entwicklung sprachgeschichtlicher Art. Es handelt sich vielmehr um ein breit angelegtes Programm von außerhalb, das mit allen Mitteln politischer und psychologischer Beeinflussung durchgesetzt werden soll. Die Methoden können wechseln, die Macher im Hintergrund weichen hie und da zurück, um an anderer Stelle umso erfolgreicher anzusetzen; Mißerfolge sind offenbar für sie nur ein Grund, einen Schritt zurück und zwei voranzugehen, also auf ein anderes Gebiet oder auch nur ein anderes Wort auszuweichen. Am Ziel und an den Methoden ändert sich dabei nichts. Es wäre aber naiv, in dieser Entwicklung nur ein sprachliches Problem zu sehen. Es handelt sich vielmehr um ein Teilstück der brutal vorangetriebenen "Globalisierung" als weltpolitischer Zielsetzung, auch wenn die Entwicklung zum Pidgin bei uns offenbar schneller fortschreitet als in anderen Ländern.

Die Empörung wächst! Es scheint, als gebe es in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich inzwischen eine nach Hunderttausenden zählende Zahl von Leuten, die sich mehr und mehr darüber empören, daß in der deutschen Öffentlichkeit die Verhunzung des Deutschen zum "Engleutschen" nicht nur geduldet, sondern offensichtlich gefördert wird. Für sie stellt sich die Frage, wie man seinen Protest vernehmbar äußern und wirksam werden lassen kann. Man kann versuchen, einflußreiche Leute in Politik, Wirtschaft und Medien anzusprechen und für die Sprachpflege zu gewinnen. Solche Versuche sind jedoch meist zum Scheitern verurteilt, weil unsere politische Welt sich den Zielen der Globalisten widerstandslos unterwirft, so daß mit aktiver Sprachpolitik grundsätzlich nicht zu rechnen ist. Alle, die die Amerikanisierung unserer Sprache ablehnen, können aber lautlos und unbehelligt passiven Widerstand leisten. Passiv ist ein Widerstand, der sich darauf beschränkt, vorgegebene, empfohlene oder verlangte Verhaltensweisen durch Nichtbeachtung zu unterlaufen und möglichst viele Menschen für einen solchen Gedanken zu gewinnen, um damit die Ziele der Gegner zu durchkreuzen. Und dazu soll hier aufgerufen werden. Auf dem Gebiet der Rechtschreibreform findet man solche Beispiele. Obwohl viele - die meisten wohl aus Unkenntnis - "die Autobahn nach dem Unfall lahm legen" oder "den Straftäter bloß stellen" oder "Kinder sich am Halloween-Tag Furcht erregend kleiden", kann man nirgendwo "Tunfisch" kaufen, und "Spagetti" gibt es auch nicht.

Folgende Episode ist verbürgt: Frau Sch. hatte sich beim Schaffner eines Schnellzuges über dessen engleutsches Gerede beschwert und von ihm verständliche deutsche Aussagen angemahnt. Antwort: "Wir finden das ja selbst lächerlich, aber wir werden unter Androhung disziplinarischer Maßnahmen gezwungen, uns so auszudrücken." Es gibt jedoch Firmenmitarbeiter, die dabei nicht mitmachen. In diesem Zusammenhang war die Verleihung des Titels "Sprachwahrer des Jahres" vor einigen Jahren an Peter Vogelgesang von der Lufthansa die beste Wahl der Laienrichter. Er hatte sich geweigert, den immer schnelleren Ersatz deutscher Wörter im Luftfahrtbereich durch englische mitzumachen. An diesem Falle wird jedoch auch klar, daß die Grenze zwischen aktivem und passivem Widerstand fließend ist: Wenn jemand zunächst nur seinem Sprachinstinkt folgt und deutsch anstatt engleutsch redet, ist das ein passives Verhalten. Wird er aber unter Androhung und Verhängung von Strafen aufgefordert, dieses Verhalten zu ändern und Pidgin zu reden, weigert er sich, das zu tun, und ist er bereit, dafür berufliche Nachteile oder gar Entlassung in Kauf zu nehmen, so ist das aktiver Widerstand und grenzt in dieser "Gesellschaft" von Angepaßten schon an Heldentum. Gäbe es hunderttausend solcher Menschen in Deutschland, dann könnten die "Engleutsch-Macher" sie sicher nicht alle entlassen und den entstehenden Personalmangel durch einen Ausverkauf Grüner Karten beheben!

Passiven Widerstand leisten! Jeder Freund der deutschen Sprache könnte passiven Widerstand leisten. Niemand kann ihn im Privatleben zwingen, den Geßlerhut zu grüßen und sich der zunehmenden Herrschaft des Pidgins zu unterwerfen. Aber wir müssen zunächst in uns selbst die Dinge zurechtrücken und uns der bewußt gezüchteten und unterbewußt wirkenden Negativwertung des "Altmodischen" entziehen. Wenn es modern ist, Dummdeutsch und Pidgin zu reden, dann sind wir eben "altmodisch", und wir sind stolz darauf. Wir selbst sind es, die täglich durch unsere falsche Nachgiebigkeit die Grenzen zwischen Deutsch und Engleutsch verschieben lassen. Mich straft niemand, wenn ich im Bahnhof nach dem Fahrkartenschalter frage und dort eine Fahrkarte verlange. Und wenn ich eine Nachbarin auslache, weil sie ihre Kinder als "Kids" bezeichnet, kann sie mich deswegen ja nicht anzeigen. Die Anregung, keine Scheu vor Wortneuschöpfungen zu haben, ist inzwischen in hervorragender Weise von den Herausgebern der „Deutschen Sprachwelt“, Thomas Paulwitz und Stefan Micko, aufgegriffen worden. Ihre Broschüre "Engleutsch? Nein danke!" enthält eine Fülle von guten Vorschlägen.

Rudolf Lubeley, Autor des obigen Beitrags, ist Verfasser des Buches „Sprechen Sie Engleutsch?“ Der Klassiker unter den Streitschriften gegen die Amerikanisierung unserer Sprache! 376 Seiten, 9,90 Euro.

Beispiel Politik

Die deutsche Politik sieht diesem schädlichen Treiben auf allen Gebieten tatenlos zu. Zunehmend breitet sich eine Politik gegen das Volk aus. An Stellen, an denen der Staat nichts zu suchen hat, wie zum Beispiel in der deutschen Sprache, mischt er sich massiv ein, an Stellen, an denen er eingreifen müßte, wie zum Beispiel beim Verfall jeglicher Unternehmensmoral, fehlt er völlig. Daraus läßt sich beweisschlüssig ableiten, daß der Staat ausschließlich dem Kapital dient und in keiner Weise dem Volke. Vor jeder Wahl werden Versprechungen abgegeben einzig mit dem Ziel der Gewinnung von Wählerstimmen. Danach wird das Volk für das Kapital verheizt. Die Demokratie ist nach der Auszählung der Wählerstimmen beendet. Das krasseste Beispiel ist wohl die parlamentarische Beseitigung der Ergebnisse des Volksentscheids gegen die Rechtschreibreform in Schleswig-Holstein 1998. Ein solcher Akt wäre in einer Demokratie völlig unmöglich gewesen.

Die Politik arbeitet für das Kapital, ignoriert die Wissenschaft, verspricht vor den Wahlen alles, hält danach nichts, verschleudert die Steuern, biedert sich im Ausland als ewiger Büßer der Naziverbrechen an. Wirtschaftswissenschaftler haben vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer gewarnt. Die Politik ignoriert das komplett. Die erwarteten Mehreinnahmen werden aber nicht zustande kommen, weil die Pläne einen Rechenfehler enthalten. Die Mehrzahl der Deutschen gehört zu den weniger bemittelten. Sie braucht nämlich ihre Einkünfte auf, ohne sparen zu können. Nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer können diese Menschen also für das gleiche Geld nur noch entsprechend weniger erwerben. Von denen bleiben Mehreinnahmen aus. Berlin muß sparen, weil Zuschüsse nicht gewährt wurden. Wo wird der erste Ansatz des Rotstiftes angekündigt? Bei der Bildung. Aber für ein Holocaust-Mahnmal müssen 18 Millionen verpulvert werden, auch mit einer Million hätte man eine nachhaltige Würdigung erzielen können. Und ein knapp 200 m hohes Riesenrad muß auch gebaut werden. Da kann es doch mit dem Sparzwang so ernst gar nicht sein. Der vorgegaukelte Kampf der Politik gegen die Arbeitslosigkeit bleibt eine Farce, solange Unternehmen die Freiheit haben, nach Belieben Massenentlassungen durchzuführen, auch wenn riesige Gewinne vorliegen. Gerhard Schröder wollte sich sogar daran messen lassen und die Arbeitslosenzahlen halbieren. Während seiner Kanzlerzeit haben sie sich jedoch verdoppelt. Der Staat ist auch hierin völlig ohne Einfluß. Sprachwissenschaftler haben gemahnt, unzulässige Eingriffe in die Sprache mit Hilfe einer Reform zu unterlassen, die Kultusministerkonferenz setzt sie mit Gewalt durch, obwohl ihr jegliche Zuständigkeit dafür fehlt. Um Demokratie handelt es sich bei der hohen Ablehnungsrate des Volkes ohnehin nicht. Hier ist der Staat als Diktator nachhaltig wirksam. Das Schwarzbuch der Steuerverschwendung, das vom Bund der Steuerzahler herausgegeben wird, weist alljährlich 30 Milliarden Euro nutzlos vergeudeter Steuergelder aus. Wo ist hier der Staat? Nirgends. Und die Justiz, die die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen müßte, fehlt auch. Wenn es einmal ganz öffentlich wird, tritt ein Politiker zurück und entzieht sich so seiner Verantwortung.

Man möge einmal auszählen, wie viele der politischen Funktionäre der verschiedenen Führungsebenen wirklich Politikwissenschaften studiert haben. Man wird über das Ergebnis zu staunen haben. Allein mit dem gesunden Menschenverstand, mit dem Gefühl aus dem Bauch heraus, kurz: mit einer Truppe von Laien, kann man die Probleme nicht lösen. Nach jeder Wahl treibt es das Volk zum blanken Entsetzen, wenn das Feilschen um die Posten mit den größten Gehältern ohne jede Berücksichtigung von Sach- und Fachkenntnissen einsetzt. Längst ist klar, daß eine Menge Leute in die Politik drängt, weil man dort für wenig Leistung viel Geld bekommen und eine gute Altersversorgung sichern kann, wenn man’s nur ein paar Jahre einigermaßen übersteht. Etwas für das Land zu bewegen, steht nicht im Vordergrund. Wen wundert es da, wenn so viele Menschen fragen, wozu sie denn überhaupt wählen sollen.

Angesichts der vorangegangenen Betrachtungen haben nun die Menschen zwei Möglichkeiten: Entweder sie machen mit, beteiligen sich an der zunehmenden Versumpfung des gesellschaftlichen Lebens - dann zieht sich zunehmend die Gesamtheit des moralischen Verfalls durch alle Bevölkerungsschichten - oder sie widerstehen dieser Entwicklung aus Überzeugung oder besserer Erkenntnis - dann sind sie in jedem Fall aber auch die dummen, die von den schädlichen gesellschaftlichen Kräften, breitgefächert vom brutalen Gewaltverbrecher bis zum Trickbetrüger im feinen Zwirn, um ihr letztes bißchen Hab und Gut gebracht werden. So wird sich denn, wenn es so fortschreitet, eine Ellenbogengesellschaft entwickeln, in der es skrupellosen Elementen gut geht, und der verantwortungsbewußte Teil der Nation immer weniger gesellschaftliche Unterstützung erwarten kann. Zunehmen wird der Anteil der Bevölkerung, der sich nach Möglichkeiten umsieht, auszuwandern und an anderer Stelle der Welt einen neuen Anfang zu wagen, weil das Leben in Deutschland nicht mehr attraktiv ist.